Theatern in München

Prinzregententheater

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8.6/10

Das Prinzregententheater ist ein freistehender Theaterbau am Prinzregentenplatz des Stadtteils Bogenhausen im Osten Münchens und wurde nach Prinzregent Luitpold benannt. Der von 1900 bis 1901 errichtete Bau wurde von dem zu dieser Zeit äußerst erfolgreichen Architekten Max Littmann entworfen. Dieser orientierte sich bei seinen Plänen besonders an dem Richard-Wagner-Festspielhaus in Bayreuth und übernimmt beispielsweise den amphitheatralischen Zuschauerraum. Das im Jahre 1988 zunächst nur in der Kleinen Lösung wiedereröffnete Theater verfügt seit 1996 nun wieder über seine Große Bühne.

Geschichtlicher Hintergrund

Entstehung der Idee

„[D]ie Idee eines Festspielhauses für die Wagneropern“ in München kommt erstmals im Jahre 1863 unter König Ludwig II. auf. Der Entwurf und die Bauplanung wird auf Wunsch Richard Wagners dem Architekten Gottfried Semper übertragen. Dieser muss jedoch einige Zeit später aufgrund „seiner politischen Intrigen [die Stadt] München verlassen“. Der am Isarhochufer gedachte, bereits in Plänen festgehaltene Monumentalbau kommt in München wegen mehreren Faktoren nie zu Stande. Es scheint, als ziehe Richard Wagner anderweitige Aufgaben, beispielsweise „die Gründung einer Musikschule oder einer Zeitung“, dem Theaterprojekt vor. Zusätzlich wäre der Bau aus finanzieller Sicht nicht realisierbar gewesen.

Im Jahre 1892 wird die Idee durch Karl von Perfall, „de[m] für die Oper wohl bedeutendste Intendant[en] Münchens im 19. Jahrhundert“ wieder aufgegriffen. Er unterbreitet sein Konzept eines von der Hofbühne unabhängigen Theaters, welches hochrangiges Schauspiel aufgrund kleingehaltener Preise der breiten Masse zugänglich machen sollte, zwar „den Vertretern des Münchner Magistrats“, jedoch wird das Projekt aus Platzmangel und Kostengründen nicht weiter verfolgt. Noch im Winter desselben Jahres wird Karl von Perfall aus dem Amt entlassen.

Sein Nachfolger Ernst von Possart arrangiert noch im Jahre seiner Berufung zum Intendanten 1893 einen Wagner-Zyklus, der bei den Besuchern und der Presse durchaus gute Resonanz erhält. Zur Zeit der Aufführungen erscheint in den Münchener Neuesten Nachrichten ein namenloser, knapper Bericht über das in Vergessenheit geratene Projekt Richard Wagners und Ludwig II. eines eigenen Münchner Festspielhauses. In minimalem Abstand wird dort ein weiterer, wesentlich detailreicherer Artikel veröffentlicht. Es ist von „einem neuen Theater mit modernster Bühnentechnik sowie amphitheatralischem Zuschauerraum und verdecktem Orchester, die beide für eine adäquate Aufführung Wagnerscher Werke unabdingbar seien“ die Rede. So „könne der sommerliche Zyklus alljährlich wiederholt werden.“ Ob der damalige Intendant Possart diese Artikel in die Wege leitete, kann bis heute nicht gesagt werden. Die Idee eines eigenen Richard-Wagner-Festspielhauses findet bei der Münchner Bevölkerung jedoch großen positiven Anklang. Die Leser unterbreiten der Zeitschrift in Briefen mögliche Standorte: neben dem später tatsächlich gewählten Standort am Prinzregentenplatz, wird beispielsweise eine Positionierung am Englischen Garten von den Lesern diskutiert. Weiterhin wird daran erinnert, dass das ursprüngliche Modell von Semper aus dem Jahre 1863 noch vorhanden sei. Während das Journal Die Gesellschaft sich ebenfalls positiv dem Bau des Festspielhauses äußert, fürchtet Cosima Wagner, Witwe Richard Wagners und Leiterin der Bayreuther Festspiele, eine Konkurrenz zu Bayreuth. „Sie betrachte[te] Sempers Projekt als geistiges Eigentum Richard Wagners und beabsichtig[t]e mit juristischen Schritten gegen Possarts Projekt vorzugehen“. Dies war jedoch nicht erforderlich, da die Umsetzung des Festspielhauses erneut an finanziellen Mitteln scheiterte.

Zwei Jahre später, 1895, erfolgt eine Zusammenkunft Ernst von Possarts mit den „Vertretern der Hofverwaltung und des Magistrats“, in welcher der Intendant abermals die positiven Aspekte eines Festspielhauses beleuchtet. Neben den finanziellen Vorzügen, sei es für München entscheidend vor Berlin ein eigenes Richard-Wagner-Festspielhaus zu erbauen. Die Hofverwaltung erklärt sich einverstanden Possart in seinem Anliegen zu unterstützen, sofern die Erben und die Witwe Wagners ihr Einverständnis gäben, da der Prinzregent zu dieser Zeit "als Protektor der Bayreuther Festspiele fungier[t]e". An dieser Stelle, noch im Jahre 1895 missglückt das Projekt des Prinzregententheaters abermals.

Im Sommer 1899 bietet sich Possart schließlich die Gelegenheit sein Vorhaben mittels privater Gelder zu realisieren. So wurde am 16. Dezember 1899 mit einem Startkapital von 800.000 Mark die Prinzregenten-Theater GmbH gegründet um im städtebaulich noch wenig erschlossenen Münchener Osten ein Opernhaus zu errichten.

Planungs- und Bauphase

Nach dem endgültigen Beschluss ein Festspielhaus in München zu errichten, wird der Architekt Max Littmann im August 1899 mit den Plänen für dieses Projekt beauftragt. In kurz aufeinanderfolgender Zeit erarbeitet dieser fünf Skizzen bis zum fertigen Entwurf. Den ersten legt er im September 1899 vor, im Oktober desselben Jahres bereits den zweiten und zwölf Tage später erfolgte die Präsentation der dritten Ausarbeitung. Skizze vier und fünf unterbreitet er noch im darauffolgenden November. Wie von seinen Auftraggebern erwünscht, orientiert sich Max Littmann bei seinen Schöpfungen sehr am Bayreuther-Festspielhaus, verweigert sich aber einer Eins-zu-Eins Kopie.

Die Baupläne werden schließlich im Frühjahr 1900 gestattet, sodass der Bauauftrag sogleich dem Geschäft Heilmann&Littmann übermittelt werden konnte. Am 27. April 1900 begannen die Arbeiten, über welche sich Cosima Wagner öffentlich äußerst unerfreut kundtut. Nach einigen Diskussionen wird jedoch ein Einverständnis ihrerseits zu diesem Projekt erzielt. "[B]ereits im Winter des gleichen Jahr[e]s waren Zuschauerhaus und Bühnenhaus unter Dach." Ab dem Frühjahr 1901 widmet man sich den ausschmückenden Elementen, den Innenräumen und der von Carl Lautenschläger entwickelten Bühnentechnik. Im August des Jahres wird der Theaterbau dann wie geplant übergeben, obwohl einige Umstände bei der Realisierung des Restauranttrakts zu Zeitverzögerungen führten. Am 20. August 1901 wird das Prinzregententheater mit einem Festakt und am darauffolgenden Tag mit einer Inszenierung der Meistersinger von Nürnberg feierlich eingeweiht.

Zeitlicher Abriss

Bereits kurze Zeit nach der Eröffnung des Prinzregententheaters im August 1901 werden bereits erste kleine Veränderungen vorgenommen. Beispielsweise entfernt man auf Wunsch Max Littmanns die Statuen der Komponisten und Dramatiker aus den Halbrundnischen der Seitenwände des Zuschauerraumes und ersetzt diese durch einheitliche, vergoldete Dreifußständer. Im Jahre 1919, ein Jahr bevor das Gebäude in staatlichen Besitz übergeht, hat das Münchener Festspielhaus die "Funktion als Volksschauspielhaus" inne.

Ab dem Sommer 1932 wird der Theaterkomplex geschlossen und ein Jahr später wird es als Theater des Volkes wieder für Besucher geöffnet. Während des Nationalsozialismus wurden entsprechend ideologisierte Stücke aufgeführt (siehe unten Uraufführungen). Vom 11. November bis 3. Dezember 1937 fanden in den Räumen des Theaters begleitende Veranstaltungen zur Propaganda-Ausstellung Der ewige Jude statt. Die letzte Aufführung vor Kriegsende war die Oper Tiefland. Es erfolgen zu jener Zeit auch eingreifende Umbauten im Bereich der Innenausstattung. So beschließt man beispielsweise aus ästhetischen Gründen, sowie für eine Verfeinerung der Akustik die Halbrundnischen, welche sich an den Seitenwänden des Zuschauerraums befinden, zu verkleiden.

Von 1944 bis 1963 beherbergte es die von Kriegszerstörungen betroffene Bayerische Staatsoper, da das Prinzregententheater lediglich leichte Kriegsschäden aufweist. Um eine Bespielung möglich zu machen, wird zunächst der Orchestergraben erhöht, sowie der Schalldeckel abmontiert. Nur das Restaurant wurde zerstört und das Theater konnte um eine Achse verkürzt 1957–1958 wieder aufgebaut werden.

Am 8. Juli 1945 gaben die Münchner Philharmoniker das erste Konzert nach Kriegsende, am 15. November 1945 begann der offizielle Spielbetrieb mit der Oper Fidelio und 1950 erfolgte die Wiederaufnahme der Münchner Opernfestspiele.

Im März 1964 wurde nach der Eröffnung des Nationaltheaters das Prinzregententheater für baufällig erklärt und für den Spielbetrieb geschlossen. Obwohl der Öffentlichkeit kein Zugang zum Gebäude gewährt wird, dienen seine Räumlichkeiten derweilen der Bayerischen Staatsoper, der Hochschule für Film und Fernsehen, der Landesbildstelle, sowie der Ballettakademie. Auch die hauseigenen Werkstätte liegen keineswegs still, sondern sind währenddessen weiterhin aktiv.

Bereits im darauffolgenden Jahr wird die Initiative der "Bürgerschaftlichen Vereinigung Münchner helft dem Prinzregententheater" gegründet, welche sich intensiv um eine Restaurierung und Wiederinbetriebnahme des 1901 entstandenen Theaterbaus bemüht. Unter zwei Bedingungen hinterlässt die Tochter des Architekten Max Littmann, Gertrud Proebst, kurze Zeit darauf der Vereinigung einen Betrag in Höhe von 2,6 Mio Mark: Dieser müsse für die Wiederinstandsetzung des Prinzregententheaters genutzt und die Bauarbeiten "vor dem 24. Juni 1983 begonnen werden." Auch die Berufung August Everdings zum Generalintendanten am 1. September 1982 kann als ein entscheidender, das Ziel der "Bürgerschaftlichen Vereinigung Münchner helft dem Prinzregententheater" vorantreibender Faktor gesehen werden. Denn auch er ist sehr an einer Wiederbelebung des Theaters interessiert. Statt einer Renovierung des kompletten Baus, welche sich auf Kosten in Höhe von 82 Mio Mark belaufen würden, unterbreitet er dem Bayerischen Landtag im Dezember 1982 die mit 35 Mio Mark kostengünstigere Variante der "kleinen Lösung". Diese beinhalte die Erneuerung der Nebenräume, Foyers und des Zuschauerraumes, sowie "die Installation einer den Orchestergraben überdeckenden und in den Zuschauerraum ragenden [offenen] Spielfläche" der Maße 16x10,5 m. Hauptbestreben ist es, das Prinzregententheater zur Erscheinungsform seiner Erbauungszeit zurückzuführen, wobei man sich hauptsächlich an zeitgenössischen Fotografien und Plänen orientiert. Da sich der Bayerische Landtag im Jahre 1983 mit dieser Variation einverstanden erklärt, beginnen ab Mai 1985 nach einer großzügigen Spende die Bauarbeiten. Währenddessen bemüht man sich durch vielerlei unterschiedlicher Aktionen um weitere Spenden der Bevölkerung. Auch die Rekonstruktion des ursprünglichen Gartensaals, zunächst nicht Teil der Baupläne Everdings, welche eine Summe von 4,4 Mio Mark beanspruchte, wird durch Spenden finanziert. Am 9. Januar 1988 wird das Prinzregententheater in der kleinen Lösung feierlich eröffnet.

Zu dieser Zeit wird das Theater Ausweichspielstätte des Bayerischen Staatsschauspiels während des bis 1992 dauernden Umbaus des Neuen Residenztheaters. Im Jahre 1993 erfolgt sowohl die Gründung der Bayerischen Staatsakademie, als auch des Pädagogikprojekt "Theater + Schule".

Die Bauarbeiten für eine vollständige Wiederherstellung des Prinzregententheaters beginnen im Jahre 1995, wobei der Fokus auf der Entfernung der provisorischen und Rekonstruktion der ursprünglichen großen Bühne liegt. Ein Jahr später bei der feierlichen Eröffnung am 10. November 1996 hat "[d]as Prinzregententheater [hat] nicht nur wieder seine Form und Funktion wie 1901, sondern verfügt zusätzlich über eine neue Studiobühne, das Akademie-Theater für den künstlerischen Nachwuchs, und bietet im neuen Café Prinzipal demnächst ein kulturelles Zentrum des Münchner Ostens."

Während der Umbaumaßnahmen des Gärtnerplatztheaters wird dessen Spielbetrieb zeitweise in die Räumlichkeiten des Prinzregententtheaters verlegt.

Baubeschreibung

Lage

Das Prinzregententheater liegt am Prinzregentenplatz im östlichen Stadtteil Bogenhausen, ca. 2,5 km von der Stadtmitte Münchens entfernt und befindet sich unweit der Stelle, wo Ludwig II. und Richard Wagner im Jahre 1863 ihr nicht realisiertes Festspielhaus zu errichten gedachten. Der freistehende Gebäudetrakt ist auf einem Grundstück "unregelmäßigem Zuschnitt[s]" erbaut, welcher als eine Zusammensetzung von Rechteck und Dreieck, bzw. Trapez umschrieben werden kann. Nördlich wird das Terrain von der Prinzregentenstraße, deren Abschnitt man zur Zeit der Erbauung Äußere Prinzregentenstraße nannte, abgesteckt, welcher auch die Schauseite des Theaterbaus zugewandt ist. Im Osten wie im Westen wird das Gebiet durch die senkrecht zur Prinzregentenstraße verlaufende Lucile-Grahn-Straße, bzw. Nigerstraße begrenzt. Die zu diesen beiden schräg liegende Zumpestraße definiert die südliche Grenze des Grundstücks.

Die genaue Adresse lautet wie folgt: Prinzregententheater, Prinzregentenplatz 12, 81675 München

Architektur- und Baubeschreibung

Der Monumentalbau des Prinzregententheaters "gliedert sich in drei deutlich voneinander abgesetzte Funktionsbereiche: Den querstehenden Restauranttrakt überragt die Hauptbaumasse des Theatergebäudes, die ihrerseits in den niedrigeren Zuschauertrakt und den durch den hohen Bühnenturm gekennzeichneten Bühnenbereich differenziert ist."

Den als keilförmig zu umschreibende Zuschauerraum akzentuiert der Architekt Max Littmann durch einen "eigenen hohen Dachaufbau als Kernraum". Dieser wird von drei niedriger bedachten Traktaten umgeben, welche sich seitlich, sowie an der Rückseite des Zuschauerraumes befinden. Während die seitlich positionierten Längstraktate den "Zuschauer- und Bühnenbereich verbinden[de]" beherbergt der dreigeschossige, die Schauseite des Theaterbaus mitbestimmende und der Krümmung des Zuschauerraumes nachempfundene Umgangsteil im Obergeschoss die "Vorräume der Logen", sowie "im Hauptgeschoss eine Wandelhalle". An dessen Enden befinden sich je rechts und links ein "blockartig vorspringende[r] Treppenhauspavillon[s]", welcher zu den Eingängen der beiden oberen Parkettringe des Zuschauerraumes führt. Die unteren Ränge sind über das Hauptgeschoss zu erreichen. Die Mitte des Umgangsteils, sogleich das Zentrum der Frontansicht, wird von Max Littmann durch einen "höheren rechteckigen Vorbau" akzentuiert. Durch eine mittig positionierte minimal vorgelagerte Fensterfront unterteilt der Architekt diesen Baukörper in drei Zonen. Der in diesem Bereich angebrachte "von Pfeilern und Säulen getragene[r] Balkon" bildet im Erdgeschoss eine überdachte Vorhalle für die drei den Fenstern im Obergeschoss entsprechenden Eingangstüren.Um das Zentrum abermals zu betonen, bringt Max Littmann über den Fensterachsen einen Dreiecksgiebel an. Dieser beinhaltet ein Relief, welches eine "dreifüßige flammende Opferschale auf einem lorbeerumwundenen Sockel" in der Mitte zweier Sphingen zeigt. Der Mittelteil wird zusätzlich durch die in Großbuchstaben und in Gold gehaltene Inschrift "Der Deutschen Kunst", welche sich unmittelbar unterhalb des Reliefs befindet, sowie die zwischen den Rundbogenfenstern angebrachten Genien verziert. Neben diesen auf den schlichter gestalteten Seitenteilen des Mittelpavillons befindet sich je ein Relief, welches die "Elemente Musik und Tanz" thematisiert. So sind links vier junge Männer beim musizieren, rechts vier tanzende Damen dargestellt. Vier von Heinrich Waderé gefertigte Statuen thronen über dem Vorbau der Frontansicht und "verkörpern (von links nach rechts) die im Theater vereinten Künste Musik, Gesang, Tragödie, Komödie." Auf der höchsten Stelle des gesamten Baukomplexes auf dem Dach des Bühnenhauses befindet sich eine Lyra, welche aus einem Fundament von komischen und tragischen Masken steht.

Das Prinzregententheater kann schwer einem kunstgeschichtlichen Stil zugeordnet werden. Selbst der Architekt Max Littmann äußert sich zu diesem Thema sehr unpräzise. Während Bernd-Peter Schaul hier von einem "gräcisierende[n] Klassizismus" spricht, umschreibt H. Habel den Bau "stilistisch am ehesten als eine Synthese von Neurenaissance und Antikenrezeption mit Jugendstilanklängen".

Innenarchitektur und Einrichtung

Zuschauerraum

Der Zuschauerraum des Prinzregententheaters ist von sektorförmigen Grundriss und kann als eine "eindrucksvolle Kombination aus Architekturelementen des Jugendstils und des Klassizismus" umschrieben werden.Insgesamt bietet der Saal Sitzplätze für 1027 Besucher, davon sind 4 Rollstuhl-, 63 Logen- und 105 Orchesterpodiumsplätze (Zahlen 2010). Es handelt sich hierbei um einen sogenannten amphitheatralischen Raum, da sich das Parkett zur Rückseite hin von der Platzanzahl kontinuierlich erweitert. Max Littmann entschied sich bei der Innenausstattung für eine mahagonifarbene Bestuhlung, welche am Jugendstil orientiert und mit einem Verlourstoff in einem goldenen Ton bezogen ist. Die Sitzreihen sind dem geschwungenen Wandelgang angepasst und werden in sechs Ringe unterteilt, welchem jeweils vier bis fünf Sitzreihen zugeordnet sind. Jedem dieser Parkettabschnitte ist ein eigener Eingang in den Seitenwänden zugeordnet, wodurch diese sechsteilig vertikal gegliedert werden. Horizontal sind sie in eine Sockelzone, welche grob kassettiert ist, ein Hauptgeschoss, das durch eine große Säulenordnung definiert wird, und eine Attikazone zu unterteilen. Während die vier tiefer gelegenen Eingänge sich voneinander zwar höhentechnisch leicht unterscheiden, aber sich noch im Sockelgeschoss selbst befinden, reichen die darüber liegenden Zugänge fünf und sechs in die Interkolumnien des Hauptgeschosses hinein. Die sechs sich in der Hauptzone befindenden von den Säulen umgrenzten Halbrundnischen lässt der Architekt mit einem Mischgewebe aus Leinen und Baumwolle in einem grau-grünlichen Ton ausstatten, wobei die untersten vier jeweils ein vergoldetes Dreifußbecken auf einem Sockel beherbergen. Max Littmann greift die Säulenordnung der Seiten in der Gestaltung der Rückwand, die neun eingeschossige Logen beinhaltet, wieder auf. Durch die Verwendung von Säulen grenzt er die drei sich in der Mitte befindenden Hoflogen, welche sich durch die vorgezogene Stellung bereits von den ihnen seitlich gelegenen Fremdlogen unterscheiden, abermals ab. Die im Zentrum gelegene Königsloge wird zusätzlich durch ihre weitere Räumlichkeit und die daneben stehenden doppelt angelagerten einrahmenden Säulen betont. Während sich über diesen Säulen je zwei Putti befinden, welche ein kleines Wappen tragen, ist mittig oberhalb der Königsloge ein großes von zwei Löwen gehaltenes Wappen angebracht.

Die Saaldecke des Malers Julius Mössel, welche sich beinahe noch komplett im Originalzustand befindet, stellt ein "farbenprächtiges Velum" dar, welches am ehesten als "lichte, teppichartige Groteskenmalerei" beschrieben werden kann. Diese ist segmentbogartig der Biegung der Parkettringe und der vertikalen Einteilung der Seitenwände angepasst durch schmale Streifen gegliedert.

Bühne

Die Bühnenfläche des Prinzregententheaters erstreckt sich über 29 x 23 m, misst somit insgesamt eine Fläche von 667 m² und beinhaltet eine "abtrennbare Hinterbühne" Während die Portalbreite zwischen 11 und 13 m variieren kann, beläuft sich die maximale Portalhöhe auf 10 m.

Am Ideal des Richard-Wagner-Festspielhauses in Bayreuth orientiert, ist abgesenkt gestaltet und halb unter dem Bühnenbereich versenkt. Der Orchestergraben, welcher ein Areal von 165 m² umfasst und zwei bewegliche Orchesterpodien beinhaltet, kann bis zu 110 Musiker beherbergen.

Von der ursprünglich im Jahre 1900 von Carl Lautenschläger entworfenen "Bühnenkonstruktion und – maschinerie" konnten im Laufe der erweiterten Lösung 1995 nur noch Bruchteile erhalten werden.

Gartensaal

Der Gartensaal ist mit seiner Kolonnadenarchitektur stilistisch dem Jugendstil zuzuordnen und „gehör[t] zum Foyerbereich des Theaters“. Das den Raum charakterisierende Muldengewölbe ist in floraler Thematik von Elmar Albrecht gestaltet, welcher sich an dem Originalwerk des Malers Julius Mössel so weit wie möglich orientierte. Für Pressekonferenzen und Theatervorstellungen im kleinen Stil bietet diese Räumlichkeit Platz für maximal 250 Besucher.

Weitere Räumlichkeiten

Das östliche und westliche Foyer, sowie alle Umgänge des Prinzregententheaters besitzen den noch original erhaltenen grau-gelblichen Terrazzoboden, welchen der Architekt Max Littmann mittels roter und grauer Mosaiklinien regelmäßig unterbricht. Bei der Wandgestaltung dieser Räumlichkeiten, sowie den Treppenhäusern, wird die Technik des Stuckolustros angewendet. Die gleichmäßig verwendete gelb-goldene Farbe zieht sich "bis zum Decken- bzw. Gewölbeansatz" der Räumlichkeiten und bildet somit einen Kontrast zu den Deckenbemalungen der Foyers, welchesehr farbenprächtig ausfallen. Während man im westlichen Foyer oberhalb des Marmorimitats an den Wänden, sowie der Decke eine "Groteskornamentmalerei" vorfindet, ist die kassettierte Fläche im östlichen Foyer von einer auf gelb gemalten Tier- und Fabelwesen der Antiken Welt verziert, gestaltet von Elmar Albrecht.

Eine weitere Besonderheit stellt die aus weißem Carraramarmor bestehende Büste des Prinzregenten Luitpold des Bildhauers Heinrich Waderé dar. Diese befindet sich in einer Nische im Erdgeschoss des Wandelganges, welche mit einem in gold gehaltenen Mosaik hinterlegt ist.

Einordnung

Der für den Entwurf und die Planung des Prinzregententheaters beauftragte Architekt Max Littmann zählt "zu den meistbeschäftigsten Architekten seiner Zeit" und unterhielt mit seinem Schwager Jakob Heilmann das Bauunternehmen Heilmann & Littmann, welches als eines der bedeutendsten Baufirmen im Bereich Süddeutschlands gehandelt wird. Sowohl in als auch außerhalb seiner Wahlheimat München, dessen Stadtbild er durch seine Bauten enorm prägte, entstehen zahlreiche Gebäude unter seinem Namen. Dabei spezialisierte sich Littmann nicht auf eine spezielle Gattung, sondern schuf Gebäude beinahe jeder Funktion, beispielsweise Krankenhäuser, Gaststätte, als auch Warenhäuser. Besondere Anerkennung erhält er jedoch damals, wie heute für seine Theaterbauten, welche als seine Hauptschöpfungen gelten und welchen er "den Ruf des Theaterbauspezialisten und -reformators" verdankt.

Das erste Projekt Littmanns auf diesem Gebiet ist das Prinzregententheater in München.

Während der Planungen des zunächst aus geschäftlichen Gründen angenommenen Projekts wird das Interesse Littmanns am Theaterbau erstmals geweckt. Ab 1904 nimmt er an vielen Wettbewerben teil und es entsteht bis 1908 eine stattliche Zahl an Theaterbauten, sodass ab dieser Zeit von einem starken Interesse Littmanns auf diesem Gebiet gesprochen werden kann.

Als sein Meisterwerk dieser Gattung gilt das Königliche Hoftheater in Stuttgart, dessen Wettbewerb er im Jahre 1908 gewann und welches 1912 erbaut wurde.

Vergleich Richard-Wagner-Festspielhaus

Wie von seinen Auftraggebern erwünscht orientiert sich der Architekt Max Littmann beim Entwerfen des Prinzregententheaters am Richard-Wagner-Festspielhaus in Bayreuth.

Durch die weitreichenden Gemeinsamkeiten wird in der Literatur teilweise sogar von einer Münchner Kopie des Semperbaus gesprochen. Einen markanten Unterschied stellt wohl die unterschiedliche Bauweise beider Theater dar. Während das Bayreuther Festspielhaus beinahe gänzlich in Fachwerk ausgearbeitet ist, handelt es sich beim Münchner Theater um einen Massivbau aus Betonwerkstein.

Beide Gebäude verfügen über einen amphitheatralischen, sektorförmigen Zuschauerraum, welcher im Prinzregententheater durch Verwendung schräger Seitenwände geformt ist. In Bayreuth hingegen handelt es sich um einen rechteckigen Grundriss, welcher durch das Einschieben den Seitenwänden rechtwinklig stehenden Wänden definiert wird. Weiterhin entscheidet sich Max Littmann für Sitzflächen, welche 5 cm breiter gestaltet sind, wodurch "bei gleicher Grundfläche" 300 Sitzplätze entfallen.

Auch bei der Wahl des Materials der ursprünglichen Bühnenmaschinerie ergeben sich Unstimmigkeiten. So verwendet man im früher erbauten Bayreuther Festspielhaus noch eine Holzkonstruktion, während München eine stählerne Variante bevorzugt.

Die meisten Veränderungen des Prinzregententheaters zu seinem Vorbild erklärt der Architekt aufgrund der "neuen Anforderungen an den Brandschutz, die nach dem katastrophalen Brand des Wiener Ringtheaters seit 1881" bestehen.

Uraufführungen

  • 12. Juni 1917: Palestrina, Oper von Hans Pfitzner
  • 25. Juli 1919: Hannibal, Schauspiel von Christian Dietrich Grabbe
  • 1. September 1919: Herakles, Drama von Frank Wedekind
  • 13. November 1920: Der Weg zur Macht, Schauspiel von Heinrich Mann
  • 29. März 1924: Die Kommstunde, Drama von Leo Weismantel
  • 20. Februar 1926: Bonaparte, Schauspiel von Bernhard Blume
  • 30. Oktober 1926: Paulus unter den Juden, Schauspiel von Franz Werfel
  • 24. Februar 1928: Der Turm, Trauerspiel von Hugo von Hofmannsthal
  • 25. März 1929: Stefan Fadinger, Schauspiel von Hermann Heinz Ortner
  • 31. Oktober 1929: Gesellschaft der Menschenrechte, Schauspiel von Franz Theodor Csokor
  • 18. Februar 1932: Der 18. Oktober, Schauspiel von Walter Erich Schäfer
  • 9. November 1933: Alle gegen einen, einer für Alle, Schauspiel von Waldfried Burggraf
  • 19. Dezember 1933: Heilige Nacht, Deutsches Weihnachts-Festspiel von Joseph Maria Lutz
  • 24. November 1934: Siegfried. Schauspiel von Ernst Bacmeister
  • 22. Oktober 1936: Der König reitet, Schauspiel von Hildegunde F. Anders
  • 20. Oktober 1937: Die Uraxt, Schauspiel von Heinrich Hinck
  • 13. November 1937: Der Weg zum Reich, Schauspiel von Hildegunde F. Anders
  • 17. Januar 1938: Familie, Schauspiel von Leonhard Ludwig
  • 25. Februar 1938: Der Stier geht los, Schauspiel von Otto C. A. Nedden
  • 16. September 1940: Gregor und Heinrich, Schauspiel von Erwin Guido Kolbenheyer
  • 23. November 1940: Das Schwert, tragisches Drama von Curt Langenbeck
  • 6. Juni 1948: Abraxas, Ballett von Marcel Luipart und Werner Egk
  • 27. März 1952: Der Weg zum Licht, Ballett von Victor Gsovsky und Gottfried von Einem
  • 6. Mai 1953: Die Chinesische Nachtigall, Ballett von Werner Egk
  • 25. Februar 1954: Die Bernauerin, Baierisches Welttheater, Uraufführung der Neufassung von Carl Orff
  • 29. März 1956: Don Juan de Manara, Oper von Henri Tomasi
  • 11. August 1957: Die Harmonie der Welt, Oper von Paul Hindemith
  • 16. Februar 1960: Danza, Ballett von Heinz Rosen und Werner Egk
  • 9. Juni 1961: La Buffonata, Ballett von Heinz Rosen und Wilhelm Killmayer

Bedeutende Veranstaltungen im Prinzregententheater

  • Bayerischer Filmpreis
  • Bayerischer Fernsehpreis
  • Corine (Literaturpreis)

Literatur

  • Bayerische Theaterakademie August Everding im Prinzregententheater (Hrsg.): 100 Jahre Prinzregententheater. Festschrift. Knürr, München ca. 2002, ISBN 3-928432-30-3.
  • Robert Braunmüller, Jürgen Schläder: Tradition mit Zukunft. 100 Jahre Prinzregententheater. Ricordi, Feldkirchen bei München 1996, ISBN 3-931788-00-8.
  • Bern Peter Schaul: Das Prinzregententheater in München und die Reform des Theaterbaus um 1900 – Max Littmann als Theaterarchitekt. Bayrisches Landesamt für Denkmalpflege. München 1987, .
  • Klaus Seidel: Das neue Prinzregententheater. Festschrift zur Wiedereröffnung des Prinzregententheaters in München am 9. Januar 1988. Knürr, München 1988, .
  • Georg Jacob Wolf: Max Littmann. 1862-1931. Knorr & Hirth, München 1931, .

Internetquellen

Weblinks

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