Weltkulturerbe in Moskau

Moskauer Kreml

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Der Moskauer Kreml (Шаблон:RuS; wiss. Transliteration: Moskovskij Kremlʹ ) ist der älteste Teil der russischen Hauptstadt Moskau und deren historischer und geografischer Mittelpunkt. Es handelt sich dabei um eine ursprünglich im Mittelalter entstandene Burg, die ab Ende des 15. Jahrhunderts nach dem Muster einer Zitadelle neu errichtet wurde. Zentrales Element des architektonischen Ensembles des Moskauer Kremls ist dessen aus der Begrenzungsmauer und ihren 20 Türmen bestehender Befestigungskomplex, der in seiner heutigen Form zum größten Teil in den Jahren 1485 bis 1499 erbaut wurde und bis heute gut erhalten ist. Nach seiner Fertigstellung diente er mehrfach als Vorbild für ähnliche Festungen, die in mehreren weiteren russischen Städten entstanden.

Vor der Verlegung der russischen Hauptstadt nach Sankt Petersburg Anfang des 18. Jahrhunderts diente der Moskauer Kreml als Residenz der russischen Zaren bzw. vor dem 16. Jahrhundert als Sitz der Moskauer Großfürsten. Noch bis ins 20. Jahrhundert hinein galt er außerdem als Zentrum des geistlichen und gesellschaftlichen Lebens der Moskowiter. 1918 wurde der Kreml wieder Sitz der Staatsmacht und hat diesen Status bis heute, wo er als Amtssitz des russischen Präsidenten dient, beibehalten. Das architektonische Ensemble des Kremls, das neben den Befestigungsanlagen eine Reihe von aus verschiedenen Zeitepochen stammenden Sakral- und Profanbauten innerhalb seiner Mauern beinhaltet, hat gleichzeitig den Status eines Museums inne und steht seit 1990 auf der Liste des UNESCO-Welterbes. Zusammen mit dem benachbarten Roten Platz, der sich ebenfalls auf dieser Liste findet, gilt der Kreml gemeinhin als die wichtigste Sehenswürdigkeit Moskaus.

Allgemeine Beschreibung

Geografie und Verkehr

Das gesamte 27,5 Hektar große Gelände des Kremls einschließlich Befestigungsanlagen liegt auf dem etwa 25 Meter hohen Borowizki-Hügel am linken Ufer der Moskwa, eines in diesem Bereich rund 120 Meter breiten Flusses aus dem Einzugsgebiet der Wolga. Unmittelbar westlich des Kremls mündet das Flüsschen Neglinnaja, dessen Flussbett seit Anfang des 19. Jahrhunderts durchgehend in einem unterirdischen Kanal liegt, in die Moskwa. Zuvor floss die Neglinnaja entlang des westlichen Abschnittes der Kremlmauer (genau dort, wo sich heute die Grünanlagen des Alexandergartens befinden) und stellte damit eines der beiden natürlichen Gewässer dar, die den Kreml umspült hatten und auf diese Weise einen zusätzlichen Schutz vor möglichen Überfällen boten. Wenige Hundert Meter weiter flussabwärts – bereits weitab der Kremlmauern – liegt die Mündung der Jausa, eines weiteren Moskwa-Zuflusses.

Bei dem Borowizki-Hügel, der oft einfach nur als Kremlhügel bezeichnet wird, handelt es sich um eine natürliche Erhebung, die ihren Namen vermutlich vom altrussischen Wort bor für „Nadelwald“ hat. Er ist einer der sieben Hügel, auf denen der heutige Moskauer Stadtkern aufgebaut wurde. Zur Zeit der Gründung Moskaus wies er eine besonders gute strategische Lage für den Bau einer Stadt auf: Er wurde an zwei Seiten von Flüssen umspült und bot seinen Bewohnern aufgrund der erhobenen Lage nicht nur relativ hohe Sicherheit vor Angreifern, sondern auch einen guten Schutz vor Überschwemmungen, die sich in Moskau vor dem Bau des Wasserumleitungskanals Ende des 18. Jahrhunderts recht häufig ereigneten. Geografisch handelt es sich beim Borowizki-Hügel um eine der zahlreichen Erhebungen der Osteuropäischen Ebene, in deren Bereich auch heute noch das gesamte Stadtgebiet liegt.

Das heutige Kreml-Areal weist näherungsweise die Form eines Dreiecks auf. Dessen Südseite ist komplett dem Moskwa-Ufer zugewandt, während die Westseite vormals von der Neglinnaja umspült wurde und heute an den Alexandergarten angrenzt. An den östlichen und nordöstlichen Abschnitt der Kremlmauer schließt sich der historische Stadtteil Kitai-Gorod an, dessen zentraler Platz als Roter Platz bekannt ist und neben dem Kreml zu den beiden wichtigsten touristischen Attraktionen Moskaus gehört. Er erstreckt sich parallel des fast gesamten östlichen Abschnittes der Kremlmauer.

Als geografisches Zentrum Moskaus befindet sich der Kreml mitten in dessen historischem Stadtkern und stellt den Ausgangspunkt sämtlicher wichtiger Radialstraßen dar, die vom Moskauer Zentrum aus in mehrere Richtungen führen. Bei Betrachtung des Kremls auf dem Moskauer Stadtplan ist seine Stellung als Kern des städtebaulichen Grundgerüstes Moskaus sichtbar, welcher eine vergleichsweise symmetrische, „spinnennetzartige“ Verknüpfung mehrerer größerer Ring- und Radialstraßen darstellt. Bei den ersteren handelt es sich um den nicht vollständig geschlossenen Boulevardring, der den Kreml etwa einen Kilometer von dessen Mauern entfernt umkreist, ferner um den gut einen Kilometer weiter außerhalb verlaufenden Gartenring sowie um die drei Moskauer Ringautobahnen (der Dritte Verkehrsring, der noch nicht komplett ausgebaute Vierte Verkehrsring und schließlich der zu einem großen Teil mit der Stadtgrenze zusammenfallende MKAD-Ring). Zu den wichtigsten Radialstraßen, die ihren Anfangspunkt vor den Kremlmauern haben, gehören die am Roten Platz beginnende Twerskaja-Straße (die stadtauswärts in die Fernstraße M10 nach Twer und Sankt Petersburg übergeht), die unmittelbar westlich des Kremls beginnende Wosdwischenka (die rund 500 Meter weiter westlich in den Neuen Arbat und stadtauswärts in die Magistrale M1 nach Smolensk, Minsk und Warschau übergeht) sowie die vor der südwestlichen Ecke der Kremlmauern beginnende Straße M3 nach Kaluga, Brjansk und Kiew.

Außer einem Straßenverkehrsknotenpunkt befindet sich in unmittelbarer Nähe des Kremls eine Vielzahl von Haltestellen und Stationen des öffentlichen Personennahverkehrs. So liegen allein vor dem Kutafja-Turm, dem heutigen Haupteingang des Kremls, die Zugänge zu vier Stationen der Moskauer Metro, weitere acht U-Bahnhöfe sind ebenfalls in fußläufiger Nähe zum Kreml und zum Roten Platz zu finden.

Aufbau

Das Ensemble des Moskauer Kremls besteht einerseits aus dem Befestigungskomplex, der die aus dem späten 15. Jahrhundert stammenden Mauer und Wachtürme beinhaltet, andererseits aus der Gesamtheit der Bauwerke, Denkmäler, Straßen und Plätze innerhalb dieser Festungsmauern.

Befestigungsanlagen

Siehe auch: Mauer und Türme des Moskauer Kremls

Die dunkelrote backsteinerne Kremlmauer ist auf ihrem gesamten Verlauf 2235 Meter lang. Abhängig von den jeweiligen topografischen Verhältnissen weist sie ohne Berücksichtigung der in sie eingebauten Türme eine Höhe von 5 bis 19 Meter auf und ist mindestens 3,5 Meter dick; an einzelnen Stellen, die im Mittelalter als besonders angriffsgefährdet galten, beträgt die Dicke der Kremlmauer bis zu 6,5 Meter. Neben der eigentlichen Mauer zählen die 20 Kremltürme zum Befestigungskomplex der Zitadelle. Mit Ausnahme des erst 1680 für rein dekorative Zwecke aufgestellten Zarenturms entstanden alle Türme zeitgleich mit der Mauer. Bei ihrem Bau hatten sie eine rein verteidigungstechnische Funktion und wurden erst im 17. Jahrhundert, als die Bedeutung des Kremls als Festung allmählich zurückging, für Repräsentationszwecke aufgestockt und dabei mit ihren charakteristischen Zeltdächern und Turmspitzen ausgestattet. Alle 20 Kremltürme sind in ihrer Form und Höhe unterschiedlich, wenngleich es mehrere Türme gibt, die beim oberflächlichen Vergleich sehr ähnlich aussehen. Der höchste Turm ist der im Mittelbereich des westlichen Mauerabschnittes stehende Dreifaltigkeitsturm, der einschließlich der Turmspitze und des sie krönenden roten Sterns eine Höhe von 80 Meter aufweist.

Vier Kremltürme verfügen in ihrem Basisteil über Durchfahrtstore, über die heute der Eingang bzw. die Einfahrt in den Kreml erfolgt. Es sind der Borowizki-Turm und der Dreifaltigkeitsturm am Westabschnitt der Mauer sowie der Nikolaus- und der Erlöserturm an der zum Roten Platz hin gewandten Seite. Über die ersteren beiden Tore können Besucher den Kreml betreten und verlassen, während die beiden am Roten Platz gelegenen Eingänge zurzeit dem Personal der im Kreml ansässigen Behörden und den Soldaten der Kreml-Garnison vorbehalten sind.

Innere Struktur

Das von der Festungsmauer umgebene Areal des Kremls hat eine Fläche von insgesamt 27,5 Hektar und besitzt seit der Errichtung des heutigen Kremls Ende des 15. Jahrhunderts seine annähernd dreieckige Form mit den drei nach Norden, Südwesten und Südosten gerichteten Spitzen.

Einige der Bauwerke auf dem Kremlterritorium stehen unmittelbar an der Kremlmauer oder sind sogar – so das Arsenal – an sie angebaut. Lediglich der südliche Mauerabschnitt, der sich entlang der Moskwa erstreckt, verfügt heute nicht über zusätzliche Bauten. Dort erstreckt sich an den Abhängen von der Hügelspitze zum Ufer hin der sogenannte Geheimgangsgarten (Шаблон:Lang), die größte Grünanlage auf dem Gelände des Kremls, die nach einem der Wachtürme am südlichen Mauerabschnitt benannt ist. Ein als dekorative Parkanlage ausgebauter Teil des oberen Bereichs dieses Gartens ist für die Öffentlichkeit zugänglich, während die Bereiche unmittelbar an der Kremlmauer gegenwärtig ausschließlich für Dienstzwecke verwendet werden. Dort befinden sich auch einige kleine Wirtschafts- und Verwaltungsbauten, die keinen architektonischen Erhaltungswert haben und daher nicht zum eigentlichen Kremlensemble gehören.

Ein großer Teil der Kreml-Bauwerke liegt etwas weiter hinter den Mauern und wird durch Straßen und Plätze getrennt, die ähnlich allen anderen Moskauer Straßen und Plätzen eigene Namen haben. Zu den bekannten Plätzen im Kreml zählen vor allem die beiden für Touristen zugänglichen Plätze: Der Iwanplatz und der Kathedralenplatz (russ. Шаблон:Lang bzw. Шаблон:Lang). Der Erstere, benannt nach der einst hier stehenden Kirche des Heiligen Johannes (Iwan) Klimakos, ist vor allem durch seine historische Bedeutung bekannt: Vom 14. bis zum 17. Jahrhundert war er der größte und wichtigste Moskauer Platz für Versammlungen und Volksfeste; hier wurden unter anderem Zarenerlasse dem Volk verkündet. Der Kathedralenplatz ist durch sein in sich geschlossenes architektonisches Ensemble bekannt: Hier stehen mit der Mariä-Entschlafens-, der Erzengel-Michael- und der Mariä-Verkündigungs-Kathedrale sowie der Mariä-Gewandniederlegungs-Kirche und dem Glockenturm Iwan der Große die fünf erhaltenen kirchlichen Bauwerke des Kremls. Geographisch bildet der Kathedralenplatz zudem den Mittelpunkt des Kremlgeländes sowie den höchsten Punkt des Kremlhügels.

Das Wegenetz innerhalb des Kremls umfasst im Wesentlichen vier Hauptstraßen, die den Kern der Festung einschließlich des Iwanplatzes und des Kathedralenplatzes mit ihren Durchfahrtstoren verbinden. Die Borowizki-Straße (russ. Шаблон:Lang) führt vom Tor des Borowizki-Turmes entlang des Geheimgangsgartens, vorbei an der Rüstkammer und dem Hauptgebäude des Großen Kremlpalastes, zum Iwanplatz. Dort geht sie in die Erlöserstraße (Шаблон:Lang) über, die den Iwanplatz mit dem Erlöserturm und damit auch dem Roten Platz verbindet. In nördliche Richtung zweigt vom Iwanplatz die Nikolausstraße (Шаблон:Lang) zum Nikolaus-Turm ab; an ihr liegen einander gegenüber die beiden aus dem 18. Jahrhundert stammenden Gebäude des Arsenals und des Senatspalastes sowie der nach Letzterem benannte kleine Senatsplatz (Шаблон:Lang). Im Westen endet der Iwanplatz am Dreifaltigkeitsturm. Mit der Borowizki-Straße verbindet ihn und den Dreifaltigkeitsturm eine weitere Straße, die nach dem in ihrer Nähe gelegenen Großen Kremlpalast den Namen Palaststraße (Шаблон:Lang) trägt. Der von Süden durch einen gusseisernen Zaun abgesperrte Platz am Kreuzungspunkt der Palast- und der Borowizkistraße wird gelegentlich als Palastplatz (Шаблон:Lang) oder auch als Kaiserplatz (Шаблон:Lang) bezeichnet.

Zugänglichkeit für Touristen

Seitdem der Moskauer Kreml Mitte des 20. Jahrhunderts nach einer dreißigjährigen Pause wieder öffentlich zugänglich wurde, erfüllt er gleichzeitig zwei Schlüsselfunktionen: Er ist einerseits Amtssitz des russischen Präsidenten (bzw. war vor der Auflösung der UdSSR im Jahre 1991 Sitz der Sowjetregierung), andererseits aber ein Freilichtmuseum und eine Touristenattraktion. Bedingt durch die Funktion als Präsidentensitz ist der Kreml ein besonders gesicherter Bereich, der für die Öffentlichkeit – im Gegensatz zum Roten Platz, dem Alexandergarten und anderen Außenbereichen – nur mit bestimmten Einschränkungen zugänglich ist. Touristen können in den Kreml über die beiden Eingänge am Kutafja- und am Borowizki-Turm eintreten und müssen dabei eine Sicherheitskontrolle passieren. Größere Taschen und Rucksäcke dürfen nicht auf das Kremlterritorium mitgenommen werden. Der Eintritt in den Kreml ist kostenpflichtig; eine reguläre Eintrittskarte kostet 350 Rubel (Stand: März 2009; umgerechnet etwa Шаблон:Wechselkurs0 Euro), erhältlich sind auch verbilligte Tickets z. B. für Schüler, Studierende oder Rentner. Für den Besuch der Rüstkammer und der Ausstellungen im Patriarchenpalast muss jeweils ein separates Ticket erworben werden.

Innerhalb des Kremls ist eine Reihe von Bereichen für die Öffentlichkeit im Allgemeinen nicht zugänglich. Dies betrifft vor allem den zum Amtssitz des Präsidenten zählenden Gebäudekomplex rund um den Senatspalast, aber auch die Palaststraße, in der die Kreml-Kommandantur ihren Sitz hat. Eine Reihe von Bauwerken – darunter der Senatspalast, das Arsenal sowie sämtliche Kremltürme – sind gegenwärtig ebenfalls gesperrt und können nur von außen besichtigt werden. Für die Sicherheit des Kremls und der umliegenden Bereiche ist neben der Kreml-Kommandantur der für den Personenschutz des Präsidenten zuständige Inlandsgeheimdienst FSO zuständig. Unter dessen Federführung steht auch die im Arsenalgebäude ansässige Kreml-Garnison, die gelegentlich auch als Präsidenten- oder Kreml-Regiment (russ. Шаблон:Lang) bezeichnet wird. Neben der Bewachung der Kremlobjekte erfüllt sie zusätzlich rein repräsentative Zwecke: Ihre Soldaten halten Ehrenwache am Kriegsmahnmal mit dem Grab des unbekannten Soldaten im Alexandergarten und begleiten mit feierlichen Aufmärschen wichtige Staatszeremonien. Zum Regiment gehört auch eine Kavallerieeinheit, die in den Sommermonaten regelmäßig Wachablösungsschauen auf dem Kathedralenplatz des Kremls veranstaltet.

Geschichte

Entstehung

Auch wenn die Entstehung des eigentlichen Kremls eng mit der vermutlich im 11. oder 12. Jahrhundert erfolgten Gründung und dem weiteren Aufbau der Stadt Moskau verbunden ist, konnte bei mehreren Ausgrabungen die Existenz noch weitaus älterer Menschenansiedlungen auf dem Borowizki-Hügel nachgewiesen werden. Eine erste befestigte Ortschaft, die sich vermutlich auf Teilen des heutigen Kremlgeländes befand, gehörte möglicherweise dem finno-ugrischen Volk der Merja und wird der sogenannten Djakowo-Kultur der Eisenzeit zugeordnet. Diese Kultur existierte etwa im Zeitraum vom 7. Jahrhundert v. Chr. bis zum 7. Jahrhundert n. Chr. Die nähere Umgebung der Neglinnaja-Mündung war jedoch noch weit bis ins 1. Jahrtausend n. Chr. mit Urwald bewachsen, in dem die damaligen Bewohner der Moskwa-Ufer Jagd betrieben haben müssen.

Die Besiedelung der Moskwa-Ufer mit slawischen Völkern, die als Vorfahren der heutigen Russen bezeichnet werden können, setzte erst gegen Ende des 1. Jahrtausends ein. Damals erschlossen zahlreiche Siedler aus südlicheren Gebieten des Kiewer Rus die bis dato als unerforscht geltenden, sehr waldreichen Gebiete der Osteuropäischen Ebene rund um die Wolga und Flüsse aus ihrem Einzugsgebiet. Bei diesen Siedlern handelte es sich wahrscheinlich um ostslawische Stämme der Wjatitschen und der Kriwitschen. Die ersten Siedlungen dieser Völker auf dem heutigen Moskauer Stadtgebiet lassen sich bis heute vor allem anhand zahlreicher Hügelgräber (sogenannter Kurganen) nachweisen. Auch unmittelbar auf dem Borowizki-Hügel wurden Gegenstände und Befestigungsreste – darunter Spuren eines künstlichen Wassergrabens von bis zu neun Meter Tiefe und 3,8 m Breite – aus der Zeit vor der Christianisierung der Rus (Ende des 10. Jahrhunderts) immer wieder bei Ausgrabungen gefunden.

Als sich etwa ab dem 10. Jahrhundert allmählich erste Städte und kleinere Staaten (Fürstentümer) quer über das europäische Teil des heutigen Russlands zu bilden begannen, könnte auch am Moskwa-Ufer zwischen den Mündungen der Neglinnaja und der Jausa eine befestigte Siedlung entstanden sein, die als erster russischer Vorläufer des Kremls betrachtet werden kann. Ihre genauere Entstehungszeit lässt sich jedoch heute nicht bestimmen. Offiziell gilt zwar das Jahr 1147 als Gründungsjahr Moskaus, allerdings wurde Moskau in erhaltenen schriftlichen Urkunden jenes Jahres als eine bereits länger existierende Ortschaft erwähnt. Einige Stadthistoriker gehen davon aus, dass die Stadt auf dem Borowizki-Hügel als Verteidigungsvorposten des Susdaler Fürstentums im Kampf gegen die dort ansässigen Wjatitschen Ende des 11. Jahrhunderts angelegt wurde und dem Schutz vor deren möglichen Angriffen diente. In jedem Fall erscheint die Annahme, dass Moskau von Anfang an als Burg errichtet wurde, durchaus plausibel angesichts der strategisch und verteidigungstechnisch äußerst günstigen Lage des heutigen Moskauer Kremls – ein Grundstück auf einer natürlichen Erhebung, die an zwei Seiten von Flüssen umspült wurde und ursprünglich auch merklich höher und steiler war als heute.

Eindeutig nachweisbar ist die Entstehung sowohl des Kremls als auch der eigentlichen Stadt Moskau jedoch erst aus Urkunden des späteren 12. Jahrhunderts. Eine davon stammt aus dem Jahr 1147 und gilt zugleich als Gründungsurkunde der Stadt: Dort ist von einer pompösen Feierlichkeit die Rede, die der Susdaler Großfürst Juri Dolgoruki (wörtlich „der Langhändige“) in dem vermeintlich von ihm gegründeten Moskau aus Anlass eines militärischen Sieges über Teile der damaligen Republik Nowgorod veranstalten ließ. Ob es in jenem Jahr eine befestigte Ortschaft auf dem Borowizki-Hügel bereits gegeben hatte, ist nicht genau bekannt. Daher wird als Entstehungsdatum des Kremls im Allgemeinen das Jahr 1156 angenommen, als Juri Dolgoruki laut einer Urkunde aus dem Fürstentum Twer seine neugegründete Stadt im Kampf gegen verfeindete Fürstentümer als Burg ausbauen ließ.

Frühgeschichte

Da von den ursprünglichen Bauwerken des Kremls heute nichts mehr erhalten ist, können Rückschlüsse auf das mögliche Aussehen der Burg im 12. Jahrhundert nur anhand archäologischer Funde gezogen werden. Offenbar war die Umfriedung wie auch andere Verteidigungsanlagen aus Holz errichtet worden, da man steinerne Festungen in russischen Landen erst einige Jahrhunderte später zu bauen begann. Die Gesamtlänge der Umfriedung betrug wahrscheinlich nur rund 500 Meter; somit war die Ausdehnung des Burggeländes weitaus geringer als die heutige und beschränkte sich auf ein kleines Dreieck im Bereich der Neglinnaja-Mündung. Genau dort, im südwestlichen Teil des heutigen Kremls, wurden Mitte des 19. Jahrhunderts beim Bau des Rüstkammergebäudes Reste von Holzpfählen aus der Kremlmauer des 12. Jahrhunderts entdeckt.

Die Bezeichnung Kreml tauchte zu jener Zeit noch nicht in Urkunden auf, statt dessen wurde der befestigte Ort an der Moskwa einfach nur die Stadt (russ. Шаблон:Lang) genannt. Der Begriff Kreml begann sich vermutlich erst ab dem 14. Jahrhundert durchzusetzen. Dessen Herkunft wird am häufigsten im Russischen bzw. im Urslawischen vermutet; so wurden befestigte Kerne größerer altrussischer Städte manchmal als krom, krem oder kremnik bezeichnet (beispielsweise nannte sich der alte Stadtkern von Pskow ebenfalls krom). Es existieren aber auch Hypothesen, die eine fremdsprachige Herkunft des Begriffes annehmen: Eine davon besagt beispielsweise, Kreml sei vom altgriechischen Wort krimnos für „steiles [Fluss-]Ufer“ abgeleitet worden, das angeblich byzantinische Gäste nach Moskowien eingeschleppt hätten.

Aufgrund häufiger Feuersbrünste und Überfälle waren die hölzernen Befestigungsanlagen nicht von Dauer und mussten immer wieder neu errichtet werden. Bekannt ist beispielsweise, dass der Kreml im Jahre 1179, somit nur etwa 20 Jahre nach seiner vermuteten Entstehung, vom Rjasaner Fürsten Gleb Rostislawitsch niedergebrannt wurde. Auch im 13. Jahrhundert wurde Moskau mehrmals angegriffen, so im Jahr 1238 vom tatarischen Khan Batu sowie 1293 erneut von Tataren unter Tohtu. Beide Male wurde die Burg verwüstet und ihre Bauwerke zerstört oder stark beschädigt.

Eine erste radikale Erneuerung des Kremls setzte gegen Mitte des 14. Jahrhunderts unter dem Wladimir-Susdaler Großfürsten Iwan I. „Kalita“ ein. Dieser ließ Moskau als Hauptstadt des neuen Moskauer Fürstentums einrichten, das er damals als Teil des Wladimir-Susdaler Großfürstentums regierte. Die veraltete und bei vorherigen Angriffen und Bränden vielfach beschädigte Burg wurde abgetragen, um an ihrer Stelle einen neuen Kreml zu errichten. Dessen nunmehr rund 1670 m langen Mauern wurden aus massivem Eichenholz erbaut und zum besseren Schutz vor Feuer außen zusätzlich mit Ton verkleidet. Fertiggestellt wurden die Anlagen Anfang des Jahres 1340 nach einer Bauzeit von nur wenigen Monaten. Außerdem ließ sich Iwan im Kreml einen ebenfalls hölzernen Großfürstenpalast bauen. Noch gut ein Jahrzehnt zuvor, im Jahr 1327, wurde im Kreml mit der Mariä-Entschlafens-Kathedrale, dem ersten Vorgängerbau der heutigen gleichnamigen Kremlkathedrale, erstmalig ein steinernes Kirchengebäude errichtet. Im übrigen ließ sich der Moskauer Metropolit Peter zur gleichen Zeit als erstes russisches Kirchenoberhaupt eine Residenz im Kreml bauen und markierte damit den Anfang des Kremls als Machtzentrum der russisch-orthodoxen Kirche.

Bei dem hölzernen Kreml aus der Herrschaftszeit Iwan Kalitas handelt es sich um den ersten Vorläufer des heutigen Kremls, dessen Aufbau und Struktur im Groben bis heute bekannt sind. Von der Ausdehnung her war sein Gelände wesentlich größer als im 12. Jahrhundert und nahm etwa zwei Drittel des heutigen Kremlterritoriums ein. Das eigentliche Moskau beschränkte sich schon damals nicht mehr auf den Kreml: Rund um diesen entstanden immer mehr kleine Händler- und Handwerkersiedlungen, die einige Jahrzehnte später durch eine zusätzliche Befestigungsmauer vor möglichen Angriffen geschützt wurden. Es blühten dort sowohl Handwerk als auch überregionaler Handel, der durch die Lage an der hier schiffbaren Moskwa sehr stark begünstigt wurde. Die heute bekannteste unter den Ansiedlungen am linken Moskwa-Ufer vor den Kremlmauern war die Vorstadt Kitai-Gorod unmittelbar östlich des Kremls. Deren zentraler Marktplatz – später als Roter Platz bekannt – schließt sich nach wie vor östlich an den Kreml an und ist mit diesem in seiner geschichtlichen Entwicklung überaus eng verbunden.

Erster steinerner Kreml

Nach dem Tod Iwan Kalitas 1340 sollte sein hölzerner Kreml noch 25 Jahre lang stehen, bis sich im Jahr 1365 eine besonders verheerende Feuersbrunst ereignete, bei der auch große Teile der Eichenholzmauern in sich zusammenfielen. Da sich Moskau damals immer noch im Krieg gegen mehrere benachbarte Fürstentümer befand, war ein schneller Neubau der Burg erforderlich. Den leitete der damalige Moskauer Herrscher, Großfürst Dmitri Donskoi, ein. Der Bau begann im Frühjahr 1367. Zum Schutz gegen die häufigen Brände wurde erstmalig beschlossen, den neuen Kreml aus Stein statt aus Holz errichten zu lassen. Hierzu wurden große Mengen an weißem Kalkstein aufbereitet, der in der Moskauer Umgebung in zahlreichen natürlichen Steinbrüchen abgebaut wurde.

Die noch 1367 fertiggestellten Mauern ähnelten von ihrem Aufbau her – erstmals wurden sie an strategisch besonders wichtigen Stellen mit Wehrtürmen versehen – ein wenig den heutigen Kremlmauern. Sie standen teilweise auf Fundamenten des hölzernen Vorgängerkremls und brachten Moskau aufgrund ihrer weißen Bausubstanz den gelegentlich noch bis heute verwendeten Beinamen Belokammennaja, wörtlich also so viel wie „Stadt aus weißem Stein“ oder „weiße Stadt“. In seiner Ausdehnung entsprach der unter Dmitri Donskoi erbaute befestigte Stadtkern Moskaus mit Ausnahme des nördlichsten Zipfels dem heutigen Kreml; die Gesamtlänge der Mauern betrug knapp 2000 Meter.

Der neue, weißsteinerne Kreml bestand mit einigen Um- und Weiterbauten über ein Jahrhundert lang und erwies sich somit als ungleich langlebiger als alle seine hölzernen Vorgänger. Den Bewohnern und Verteidigern der Burg gelang es denn auch im späten 14. und im 15. Jahrhundert, mehrere feindliche Angriffe erfolgreich abzuwehren. So scheiterte 1368 und 1370, nur kurze Zeit nach Fertigstellung der Zitadelle, der litauische Fürst Algirdas gleich zweimal an der Festigkeit des Kremls und am Widerstand der Moskowiter. Weniger erfolgreich war allerdings die Abwehr Moskaus gegen den tatarischen Khan Toktamisch im Jahre 1382: Nach dreitägiger, zunächst erfolgloser Belagerung gelang es dessen Truppen, die Stadtverteidiger zu überlisten und in den Kreml vorzudringen. Es gab unter den Insassen über 20.000 Tote; der weißsteinerne Kreml erlitt dabei erhebliche Schäden. In den 1390er-Jahren wurde er weitgehend wiederhergestellt; zu gleicher Zeit entstanden dort neue steinerne Kirchenbauten, unter ihnen 1393 die Gottesmutter-Geburtskirche, deren 1514 errichteter Nachbau als eine der Hauskirchen des Terem-Palastes bis heute erhalten ist.

Der Kreml nimmt seine heutige Gestalt an

Ein beträchtlicher Teil der heute erhaltenen Bausubstanz des Moskauer Kremls stammt aus der Zeit Ende des 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts, als die Befestigungsanlagen abermals komplett neu errichtet wurden und innerhalb des Kremls etliche neue, teilweise ebenfalls bis heute bestehende Bauwerke hinzukamen. Es war die Herrschaftszeit des Großfürsten Iwan III., der die alte und inzwischen vielerorts baufällig gewordene Burg nicht mehr als ihrer Rolle angemessen sah. Ursache hierfür war zum einen das erhebliche Wiedererstarken des Moskauer Staates, der nunmehr alle vormaligen russischen Fürstentümer in sich vereinigte und sich bis 1480 endgültig von der jahrhundertelangen mongolisch-tatarischen Invasion befreien konnte. Zum anderen spielte auch die 1472 erfolgte Heirat Iwans mit der byzantinischen Kaisernichte Sofia Palaiologa eine Rolle: Aufgrund dieser Ehe sah sich Iwan III. als rechtmäßiger Erbe der Herrscher des untergegangenen Byzantinischen Reichs, weswegen seine Moskauer Residenz nunmehr als wichtiges Zentrum des orthodoxen Christentums (sogenanntes „Drittes Rom“) aufwändig ausgebaut werden sollte. Dies veranlasste Iwan, für die Errichtung der neuen Festung unter anderem mehrere Baumeister aus Italien nach Moskau einzuladen, jenem Land, in dem auch seine Frau Sofia aufgewachsen war und dessen Architekten sich bereits im damaligen Russland eines hohen Ansehens erfreuen konnten.

Der unter Iwan III. eingeleitete und bis dato wohl umfassendste Um- und Ausbau des Kremls dauerte praktisch seine gesamte Herrschaftszeit an, also über 40 Jahre lang von 1462 bis 1505. Zu den ersten dabei entstandenen Bauten gehört die heutige Mariä-Entschlafens-Kathedrale, die im Jahre 1479 fertiggestellt werden konnte. Sie wurde an Stelle der einige Jahre zuvor eingestürzten gleichnamigen Kathedrale errichtet, die wiederum ihre 1337 entstandene Vorgängerin ablösen sollte. Für ihren Neubau verpflichtete Iwan III. mit Aristotile Fioravanti aus Bologna erstmalig einen italienischen Architekten. Er und einige andere aus Italien eingeladene Meister – darunter Pietro Antonio Solari, Marco Ruffo oder Aloisio Lamberti da Montagnana – erschufen in der Herrschaftszeit Iwans eine Vielzahl der Kremlbauten, darunter vor allem die gesamte Befestigungsanlage samt Mauer und Wehrtürmen.

Bei dieser in den Jahren 1485 bis 1499 errichteten Mauer handelt es sich im Wesentlichen um die bis heute erhaltene Kremlmauer, auch die zeitgleich errichteten Türme sind – wenn auch im Laufe der Jahrhunderte meist stark umgebaut – die gleichen. Die italienischen Bauschaffenden, die sich bei der Errichtung der Moskauer Stadtbefestigung nicht zuletzt an vergleichbaren Bauwerken in ihrem Heimatland – darunter dem Mailänder Castello Sforzesco – orientierten, setzten erstmalig in der Moskauer Stadtbaugeschichte Ziegelstein ein, der dem Kreml bis heute seine typische dunkelrote Farbe – anstatt der vormals weißen – verleiht. Die Türme wurden in Schussweite voneinander erbaut; ihre heute charakteristischen Zeltdächer und Spitzen erhielten sie allerdings erst Ende des 17. Jahrhunderts. Zum Schutz der Festung vor Bränden und zur Verbesserung ihrer Verteidigungsfähigkeit wurde ab 1493 per Erlass Iwans III. verboten, Holzhäuser im Umkreis von gut 200 Metern außerhalb der Mauer zu errichten; auch bestehende Bauten wurden bald darauf verlegt.

Innerhalb der Kremlmauern ist unter den Bauwerken, die Ende des 15. Jahrhunderts entstanden sind, neben der Mariä-Entschlafens-Kathedrale vor allem der prunkvoll ausgestattete Facettenpalast zu nennen, der heute zum erst im 19. Jahrhundert abgeschlossenen Ensemble des Großen Kremlpalastes gehört. Erbaut 1491 von Marco Ruffo und Pietro Antonio Solari als Ergänzung zu einem damals bereits bestehenden und heute nicht mehr erhaltenen Großfürstenpalais, diente der Facettenpalast von da an dem Großfürsten als repräsentativer Ort für feierliche Empfänge und Staatsakte. Ungefähr zur gleichen Zeit wurde das heutige Ensemble des Kathedralenplatzes des Kremls größtenteils abgeschlossen: Zu der Mariä-Entschlafens-Kathedrale und dem Facettenpalast kamen noch die Mariä-Gewandniederlegungs-Kirche (fertiggestellt 1486), die Mariä-Verkündigungs-Kathedrale (1489), die Erzengel-Michael-Kathedrale (1508) und schließlich der Glockenturm Iwan der Große (1508) hinzu.

Der von Iwan III. initiierte Ausbau des Kremls dauerte – mit Unterbrechungen durch nach wie vor häufige Feuersbrünste – noch über seinen Tod hinaus etwa bis zum Jahr 1516 an, als entlang dem östlichen, an den Roten Platz angrenzenden Abschnitt der Kremlmauer ein künstlicher Wassergraben von der Neglinnaja bis zur Moskwa verlegt wurde. Diesen Graben, der eine Breite von rund 32 und eine Tiefe von 12 Meter hatte und mit künstlich aufgestautem Wasser der Neglinnaja gespeist wurde, erbaute der Italiener Aloisio Lamberti da Montagnana – in Russland damals einfach Alewis (der Neue) genannt, weswegen der Graben auch seine Bezeichnung Alewis-Graben erhielt. Bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts, als der Graben zugeschüttet wurde, sicherte er dem Kreml einen zusätzlichen Schutz von der Ostseite her, an der es keine natürlichen Gewässer gab. Mit Abschluss des großen Umbaus durch Iwan III. war der Moskauer Kreml somit an allen drei Seiten von Wasser umgeben, so dass man in die Festung nur über spezielle Zugseilbrücken, die im Angriffsfall hochgeklappt wurden, eintreten konnte. Außerdem erreichte die Ausdehnung des Kremlgeländes damals ihre heutigen Ausmaße.

Im weiteren Verlauf des 16. Jahrhunderts – so unter Iwan IV. „dem Schrecklichen“, als das Moskauer Fürstentum territorial weiter expandierte und 1547 schließlich zum einheitlichen Zarentum Russland erklärt wurde, womit der Kreml zur Residenz russischer Zaren avancierte – gab es nur vergleichsweise wenige Bautätigkeiten auf dem Kremlgelände. Es entstanden einzelne kleinere, heute nicht mehr erhaltene Kirchen- und Wohnbauten, außerdem die später nahezu vollständig zugebaute Goldene Zarinnenkammer und der heute als Uspenski-Glockengestühl bekannte Anbau an den Glockenturm Iwan der Große. Der damals als abgeschlossen geltende Moskauer Kreml diente zu jener Zeit einer Reihe anderer russischer Städte als Muster, die sich aufgrund ihrer grenznahen Lage durch den Bau ähnlich konstruierter Zitadellen zu schützen wussten. So entstanden nach Moskauer Vorbild Kremls in Rostow am See, Tula, Serpuchow und anderen russischen Städten. Einige dieser ehemaligen Festungen sind zumindest in Teilen bis heute erhalten. Auch die in den 1550er-Jahren errichtete Befestigungsmauer mit Türmen des Dreifaltigkeitsklosters von Sergijew Possad, des damals wichtigsten russisch-orthodoxen Klosters, wurde in ihrem Aufbau stark an die Mauer des Moskauer Kremls angelehnt.

Der Kreml im 17. Jahrhundert

Noch Anfang des 17. Jahrhunderts plante Zar Boris Godunow in seiner kurzen Herrschaftszeit (1598–1605) neue ehrgeizige Bauvorhaben im Kreml, von denen aber nur die Aufstockung des Glockenturms Iwan der Große um dessen heutige Spitze sowie der Bau eines neuen Zarenpalais, das in den 1770er-Jahren abgerissen wurde, verwirklicht werden konnte. Wenige Jahre später kam jede Bauaktivität in Moskau und anderen russischen Städten vorläufig zum Erliegen, als große Teile des russischen Zarentums von der Fremdherrschaft polnisch-litauischer Invasoren heimgesucht wurde. In dieser unter dem Namen Smuta bekannten Zeit von 1598 bis 1613 geriet auch der Kreml zeitweilig in Mitleidenschaft, als seine Bauwerke in Kämpfen beschädigt und eine Vielzahl von Schätzen und Kunstwerken aus den Kremlkirchen geraubt wurden. Jegliche Restaurierungsarbeiten an bestehenden sowie Bauarbeiten an neuen Bauwerken konnten erst in der Regierungszeit des ersten Zaren aus der Romanow-Dynastie, Michael I., aufgenommen werden. So ließ dieser 1624 den Glockenturm Iwan der Große um einen zusätzlichen Nebenturm mit Zeltdach, den sogenannten Philaret-Anbau, erweitern. Im Jahre 1621 wurde der wichtigste Wachturm des Kremls – der Erlöserturm, in dem sich der Haupteingang vom Roten Platz aus befand – als erster Kremlturm umgebaut und aufgestockt. Auf ähnliche Weise wurden später, erst gegen Ende des Jahrhunderts, auch die meisten übrigen Kremltürme umgebaut, indem sie ihre bis heute charakteristischen dekorativen Zeltdachkonstruktionen erhielten.

Ein weiterer markanter Neubau im Kreml des 17. Jahrhunderts entstand in den Jahren 1635–1636: Das ist der heute zum Großen Kremlpalast gehörende Terem-Palast, der noch bis Ende des Jahrhunderts als Wohnresidenz russischer Zaren und ihrer Familienangehörigen diente. Zu erwähnen sind schließlich die in einem zusammenhängenden Gebäudekomplex errichteten Bauten der Zwölf-Apostel-Kirche und der Wohn- und Arbeitsresidenz des Moskauer Patriarchen. Sie wurden 1656 fertiggestellt und vermochten seitdem die Bedeutung des Kremls nicht nur als Residenz weltlicher Herrscher, sondern auch als geistliches Zentrum der russisch-orthodoxen Kirche in besonderem Maße zum Ausdruck zu bringen.

Als ältester und am zentralsten gelegener Teil der inzwischen weit über die alten Festungsmauern hinaus in alle Himmelsrichtungen gewachsenen Zarentumshauptstadt Moskau diente der Kreml freilich nicht nur der Zarenfamilie und dem Kirchenoberhaupt als Wohnort. Bereits seit dem 14. Jahrhundert befand sich dort eines der damals bekanntesten russisch-orthodoxen Klöster – das Tschudow-Kloster, das Anfang des 20. Jahrhunderts der Abrisskampagne der Kommunisten zum Opfer fiel. Der Kreml galt deswegen im 17. Jahrhundert längst als eine hochverehrte Pilgerstätte, deren Haupteingangstor im Erlöserturm nur zu Fuß und mit unbedecktem Kopf passiert werden durfte. Er war aber auch das Zentrum des öffentlichen Lebens der Moskowiter; so wurden hier Staats- und Volksfeste veranstaltet und hier traten die Zaren bei besonderen Anlässen vor dem Volk auf oder ließen ihre Erlasse und andere wichtige Bekanntmachungen dem Volk verkünden. Im 17. Jahrhundert war das Privileg, im Kreml zu wohnen, außer dem Zaren und den Geistlichen nur noch besonders reichen und ehrwürdigen Adligen (Bojaren) mit ihren Familien zuteil. Als einziges bis heute im Kreml erhaltenes Beispiel für ein Bojarenwohnhaus jener Zeit gilt der sogenannte Lustpalast aus dem Jahr 1651, der ursprünglich als Wohngebäude der Familie Miloslawski diente und einige Jahre später als einer der ersten russischen Aufführungsorte für Theatervorstellungen zur „Belustigung“ der Zarenfamilie umgebaut wurde.

Der Kreml vom 18. bis zum 19. Jahrhundert

Chronologische Entstehung
der heutigen Kreml-Bauwerke
Bauzeit Gebäude Um-/Ausbau
1475–79 Mariä-Entschlafens-Kathedrale
1484–86 Mariä-Gewandniederlegungs-Kirche
1484–89 Mariä-Verkündigungs-Kathedrale 1564
1485–99 Befestigungsmauer und Türme 17.–19. Jh.
1487–92 Facettenpalast
1505–08 Erzengel-Michael-Kathedrale 18. Jh.
1505–08 Glockenturm Iwan der Große 1543, 1600, 1823
Ende 16. Jh. Goldene Zarinnenkammer
1635–36 Terem-Palast
1651–52 Lustpalast u. a. 1875
1653–56 Patriarchenpalast
1702–36 Arsenal 1796, 1828
1776–87 Senatspalast
1838–49 Großer Kremlpalast, Hauptgebäude
1844–51 Rüstkammer
1930–34 Verwaltungsgebäude
1960–61 Staatlicher Kremlpalast

Der Anfang des 18. Jahrhunderts markierte für den Kreml zwei historische Ereignisse. Zum einen ließ der damalige Zar Peter I. „der Große“, welcher sich einige Jahre später zum ersten Kaiser des inzwischen weit bis ins asiatische Hinterland ausgedehnten Russischen Reichs erklärte, die neue Hauptstadt dieses Reichs von Moskau in das neu gegründete Sankt Petersburg verlegen, womit der Kreml seinen Status als Zarenresidenz verlor. Zum anderen wurde die Festung 1701 von einem der folgenschwersten Großbrände ihrer Geschichte heimgesucht, bei dem ein Großteil der dort noch verbliebenen Holzbauten zerstört wurde. Ungeachtet der Schäden gab dieser Brand einen neuen Schub für die Bauaktivität im Kreml: Am westlichen Abschnitt der Kremlmauer wurde ein größeres Grundstück freigelegt, auf dem Peter alsbald den Bau eines Waffenlagers (oder, wie er es selber bezeichnete, eines „Zeughauses“) verfügte. So begann die Entstehung des heutigen Arsenalgebäudes, das zu den markantesten Kreml-Bauwerken des 18. Jahrhunderts zählt. Der Bau ging allerdings aufgrund der durch den Großen Nordischen Krieg bedingten finanziellen Schwierigkeiten nur langsam voran, so dass das Arsenal erst 1736 fertiggestellt werden konnte.

Unter Kaiserin Elisabeth wurde im Jahre 1753 auf dem Kremlgelände, nahe dem südlichen Mauerabschnitt, eine neue Moskauer Residenz des russischen Zaren errichtet, die den unmittelbaren Vorgängerbau des heutigen Großen Kremlpalastes darstellt. 1787 entstand mit dem Senatspalast, dem heutigen Kern des Amtssitzes des russischen Präsidenten, ein weiterer architektonisch reizvoller Bau im Kreml in der Nähe des Arsenals. Der Senatspalast war zugleich das einzige größere Bauprojekt im Moskauer Kreml, das unter Katharina II. „der Großen“ verwirklicht wurde. Darüber hinaus plante Katharina einen radikalen Umbau des Kremls samt Errichtung einer neuen Kaiserresidenz riesigen Ausmaßes, der eine Vielzahl alter Bauwerke weichen sollte. Zwar mussten die Pläne in den 1770er-Jahren unter anderem wegen Geldmangels und heftiger Kritik verworfen werden, zu dieser Zeit hatte man jedoch bereits Teile der südlichen Kremlmauer in Vorbereitung auf den Bau abgetragen. Während diese Mauerabschnitte wenige Jahre später wiederhergestellt wurden, verschwanden mehrere historische Gebäude im Südteil des Kremls, die ebenfalls zuvor abgerissen wurden – darunter das frühere Palais von Zar Boris Godunow – endgültig vom Stadtbild der Moskauer Zitadelle.

1812 trug das Kremlensemble abermals erhebliche Zerstörungen davon, als die gesamte Stadt Moskau während des Russland-Feldzugs von Napoléon Bonaparte zeitweilig unter französischer Besatzung stand. Während des Aufenthalts der Truppen Napoléons auf dem Kremlgelände wurde eine Vielzahl von Kirchenschätzen geraubt oder beschädigt, da die Soldaten die Kremlkathedralen als Kasernen oder Pferdeställe nutzten. Noch schwerer traf es den Kreml, als die französische Armee den Rückzug antreten musste: Aus Rache für seine Niederlage wollte Napoléon den gesamten Kreml samt Befestigungsanlagen und anderen Architekturdenkmälern sprengen lassen. Das Gelände wurde vermint, jedoch kam es unter anderem aufgrund des starken Regens und des erbitterten Widerstands der Anwohner nur stellenweise zu Explosionen. Dennoch wurden mehrere Kremltürme stark beschädigt, bei einigen von ihnen stürzte das Zeltdach um, erhebliche Schäden gab es außerdem am Glockenturm Iwan der Große, dem Facettenpalast und dem erst kürzlich nach einem Brand restaurierten Arsenalgebäude. Die Wiederaufbauarbeiten am Kreml dauerten bis in die 1830er-Jahre hinein. Einen großen Teil von ihnen leitete der Architekt Joseph Bové. Dabei gestaltete er auch die unmittelbare Umgebung des Kremls ganz neu: Das Flussbett der Neglinnaja wurde in einen unterirdischen Kanal verlegt, wo es sich bis heute befindet, und an seiner Stelle wurde entlang dem westlichen Abschnitt der Kremlmauer der Alexandergarten, eine langgestreckte öffentliche Parkanlage mit Blumenbeeten und einer dekorativen Grotte, angelegt. Der Rote Platz wurde ebenfalls neu gestaltet, wobei der alte Alewis-Graben entlang der Kremlmauer zugunsten einer neuen Promenade zugeschüttet wurde.

Zum Abschluss der Wiederaufbauarbeiten im Kreml wurde schließlich damit begonnen, eine neue Moskauer Residenz russischer Zaren zu errichten, und zwar genau dort, wo schon seit dem 14. Jahrhundert Großfürsten- und Zarengemächer standen, so zuletzt das 1812 ebenfalls stark beschädigte Palais aus dem Jahr 1753. Zar Nikolaus I. beauftragte mit der Umsetzung den bekannten Stadtbaumeister Konstantin Thon, der in den Jahren 1844 bis 1851 eine neue klassizistische Kaiserresidenz errichtete, welche zusammen mit den bereits bestehenden Bauten des Facetten- und des Terem-Palastes das heutige Ensemble des Großen Kremlpalastes bildet. Nahezu zeitgleich baute Thon linkerhand der neuen Zarenresidenz das stilistisch daran anknüpfende neue Gebäude der Rüstkammer, das mit dem Palast durch eine überdachte Galerie verbunden wurde.

Die Projekte Konstantin Thons stellten die letzten größeren Bauaktivitäten im Kreml des 19. Jahrhunderts dar und gaben dem südlichen, zum Moskwa-Fluss hin gewandten Teil des Kremls bis auf einige feine Details die bis heute erhaltene Gestalt. Noch Anfang des 20. Jahrhunderts war der Kreml mit seinen zwei Klöstern – dem Tschudow- und dem Himmelfahrtskloster – vor allem eine der wichtigsten orthodoxen Pilgerstätten. Ungeachtet der Verlegung der Zarenreichshauptstadt nach Sankt Petersburg blieb der Kreml zudem auch im 18. und 19. Jahrhundert eines der Zentren der Staatsmacht, denn sämtliche bedeutenden Staatsakte – darunter die feierlichen Zarenkrönungszeremonien – fanden nach wie vor auch im Moskauer Kreml statt. Darüber hinaus stellte der Kreml noch zur Zarenzeit einen umfassenden Museumskomplex dar, dessen Besichtigung für jeden Moskau-Besucher als obligatorisch galt und der für die Öffentlichkeit denn auch nahezu uneingeschränkt zugänglich war. Letzteres änderte sich allerdings nach 1917.

Der Kreml zur Sowjetzeit

Mit der Oktoberrevolution des Jahres 1917 war für Moskau nicht nur der entscheidende gesellschaftliche Umbruch und das Ende des Russischen Zarenreichs verbunden, sondern auch mehrtägige erbitterte Kämpfe, unter denen insbesondere das Kremlensemble zu leiden hatte. Nachdem es antibolschewistischen Kräften am 28. Oktober gelang, den Kreml zeitweilig wieder unter ihre Kontrolle zu bringen, belagerten Einheiten der Roten Garde die Festung und beschossen sie dauerhaft mit Artillerie. Bis der Kreml am 2. November endgültig eingenommen werden konnte, trugen etliche Bauwerke sichtbare Schäden davon: So wurden mehrere Kremltürme – darunter der Erlöserturm und seine Turmuhr – teilweise stark beschädigt, erhebliche Zerstörungen gab es zudem am Komplex des Tschudow-Klosters und an der Mariä-Entschlafens-Kathedrale. Für die rund 250 damals gefallenen Rotgardisten wurde nach dem Ende der Kämpfe die sogenannte Revolutionsnekropole vor der östlichen Kremlmauer am Roten Platz angelegt, wo später auch andere prominente Revolutionäre und Staatsmänner der Sowjetunion beigesetzt wurden.

Die darauffolgenden Jahre markierten weitere einschneidende Veränderungen in der Geschichte des Moskauer Kremls. Die neue sowjetrussische Regierung samt Revolutionsführer Lenin zog in einer geheimen Nacht-und-Nebel-Aktion am 12. März 1918 von Sankt Petersburg (zu jenem Zeitpunkt Petrograd genannt) nach Moskau, da sich die neuen Machthaber hinter den Mauern des Kremls einen besseren Schutz vor möglichen Aufständen, Staatsstreichen oder ausländischen Interventionen erhofften. So erhielt Moskau nach zwei Jahrhunderten wieder den Hauptstadtstatus, den es bis heute besitzt. Mehrere Kremlgebäude – darunter der ehemalige Kommandantensitz am Lustpalast, die Kasernen im Arsenal und auch Teile des Großen Kremlpalastes – wurden als Wohnhäuser für Staatsmänner und ihre Angehörigen und Bediensteten genutzt. Auch Lenin ließ sich im Senatspalast des Kremls Arbeitsräume und eine kleine Wohnung einrichten. Diese Wohnung mitsamt der Originalausstattung wurde nach Lenins Tod beibehalten und war noch bis in die 1990er-Jahre als Museum geöffnet.

Dem Kreml, der nunmehr wieder Sitz der Staatsmacht war, brachte der Einzug der Regierung nicht nur einen raschen Wiederaufbau der während der Kampfhandlungen beschädigten Bauwerke. Als hochgesicherte Residenz schloss der Kreml im Jahr 1927 seine Tore für die breite Öffentlichkeit und konnte seitdem nicht mehr ohne Passierschein betreten werden. Sämtliche im Kreml ansässigen Geistlichen wurden im Laufe der 1920er-Jahre ebenfalls von dort vertrieben. Die beiden während der Kämpfe 1917 stark beschädigten Klöster auf dem Kremlgelände – das Tschudow- und das Himmelfahrtskloster – wurden im Rahmen der antireligiösen Kampagne der Bolschewiki, der auch eine Vielzahl anderer Sakralbauten russlandweit zum Opfer fiel, zunächst geschlossen und 1929 schließlich restlos abgerissen. Auf dem freigewordenen Grundstück entstand bis 1934 das im neoklassizistischen Stil ausgeführte neue Gebäude der Militärschule für Kommandeure der Roten Armee. Heute ist es als Verwaltungsgebäude des Kremls (oder auch als Gebäude 14) bekannt und ist ein Teil des Präsidentensitzes innerhalb des Kremls.

Unter Lenins Nachfolger Josef Stalin, der sich im Senatspalast des Kremls ebenfalls eine Wohnung einrichten ließ, wurden weitere Abrisse und architektonisch nicht immer gelungene Umbauten an alten Bauwerken vorgenommen. 1933 wurde der Große Kremlpalast als Tagungsort hergerichtet, wozu eines der ältesten bis dahin erhaltenen Kremlbauwerke – die benachbarte Erlöser-Kirche im Walde aus den 1330er-Jahren – abgerissen sowie innerhalb des Palastes zwei historische Paradesäle zu einem großen Sitzungssaal zusammengelegt wurden. Von 1935 bis 1937 entfernte man schließlich von den Spitzen der vier Durchfahrtstürme des Kremls die vergoldeten Doppeladler aus der Zarenzeit und ersetzte sie durch Sowjetsterne aus rotem Rubinglas, die die neue Ideologie und den Sieg der sozialistischen Revolution symbolisieren sollten. Auch an der Spitze des weithin sichtbaren Wasserzugturms an der südwestlichen Ecke der Kremlmauer wurde 1937 ein solcher Stern aufgesetzt.

Während der Schlacht um Moskau im Zweiten Weltkrieg und den damals häufigen Luftangriffen auf Moskau blieben die Schäden am Kreml vergleichsweise gering, da die Festung durch Gebäudetarnung und zusätzliche Flugabwehranlagen gut gesichert war. Die beweglichen Schätze, darunter Exponate aus der Rüstkammer, wurden schon vor Beginn der Kriegshandlungen vorsorglich ins sowjetische Hinterland evakuiert. Vereinzelt kam es dennoch zu Sach- und Personenschäden: So traf am 12. August 1941 eine Bombe das Arsenal und tötete dabei 20 Soldaten, und beim Bombardement am 29. Oktober des gleichen Jahres gab es im Kreml 41 Tote und über 100 Verletzte.

Nach Stalins Tod ließ sein vergleichsweise liberaler Nachfolger Nikita Chruschtschow die Besuchsordnung des Kremls wieder lockern: Von 1955 an durfte das Ensemble innerhalb der Kremlmauern wieder von der Öffentlichkeit kostenlos betreten und besichtigt werden. Auch wurden bis 1961 die letzten noch verbliebenen Dienstwohnungen auf dem Kremlterritorium aufgelöst. Große Teile des Ensembles wurden als Museum hergerichtet, auf dessen Basis der Kreml drei Jahrzehnte später den höchstmöglichen russischen Denkmalschutzstatus eines Staatlichen Museumsreservats erhielt.

Mit dem Kongresspalast des Moskauer Kremls, heute als Staatlicher Kremlpalast bekannt, entstand in der Regierungszeit Chruschtschows auch das bisher jüngste Gebäude auf dem Kremlgelände. Es ersetzte den Großen Kremlpalast als zentraler Tagungsort der KPdSU und wird heute vorwiegend für kulturelle Veranstaltungen genutzt. Seit der Fertigstellung des Kongresspalastes im Jahre 1961 wurde auf dem Kremlgelände nichts mehr neu gebaut, lediglich Restaurierungsarbeiten an bestehenden Bauwerken wurden noch durchgeführt, so in den 1970er-Jahren im Vorfeld der in Moskau ausgetragenen XXII. Olympischen Spiele.

Vom Ende des 20. Jahrhunderts bis zur Gegenwart

Mit der Öffnung der Sowjetunion während der Perestroika-Zeit der späten 1980er-Jahre stieg die Bedeutung des Kremls als wichtige Sehenswürdigkeit des Landes zunehmend auch für ausländische Besucher. Trotz der durch die Bau- und Abrissaktionen des 20. Jahrhunderts verursachten und meist nicht wieder wettzumachenden Schäden an der Substanz des historischen Ensembles wurde der Kreml – zusammen mit dem benachbarten Roten Platz – daher das erste Bauwerk auf russischem Staatsgebiet, das von der UNESCO in die Liste des Welterbes aufgenommen wurde. Die Aufnahme erfolgte im Dezember 1990 auf Basis einer Empfehlung des International Council on Monuments and Sites (ICOMOS) aus dem Vorjahr. Als nationales Kulturerbe steht der Kreml zusammen mit anderen als solches anerkannten Objekten gemäß dem 2002 verabschiedeten Gesetz über Objekte des Kulturerbes der Völker Russlands unter besonderem Schutz.

In den 1990er- und 2000er-Jahren erfolgten im Kreml weitere Restaurierungsarbeiten, die eine Erhaltung der historischen Substanz als Freilichtmuseum zum Ziel hatten. Einige aus der Sowjetzeit stammenden Eingriffe in das Ensemble wurden wieder rückgängig gemacht, so richtete man beispielsweise im Großen Kremlpalast die beiden in den 1930er-Jahren entwidmeten Paradesäle originalgetreu wieder her. Auch wenn der Kreml als Präsidentenresidenz gegenwärtig nur stellenweise öffentlich zugänglich ist, bleibt er als ältester Teil Moskaus unangefochten dessen wichtigste Touristenattraktion mit jährlich rund zwei Millionen Besuchern.

Auch im geistlichen Leben Moskaus spielt der Kreml gegenwärtig wieder eine gewisse Rolle, wenngleich er heute nicht mehr, wie es vor der Oktoberrevolution der Fall war, als Pilgerstätte orthodoxer Gläubiger gilt. Die vier wichtigsten erhaltenen Kirchenbauten des Kremls – die Mariä-Entschlafens-, die Erzengel-Michael- und die Mariä-Verkündigungs-Kathedrale sowie die Mariä-Gewandniederlegungs-Kirche – wurden Anfang der 1990er-Jahre dem Moskauer Patriarchat der russisch-orthodoxen Kirche zurückgegeben und dienen heute nicht mehr ausschließlich als Museen, sondern auch als Gotteshäuser, in denen an bestimmten kirchlichen Festtagen feierliche Liturgien sowie Gottesdienste mit Beteiligung des Moskauer Patriarchen und oft auch hoher Regierungsmitglieder stattfinden.

Architektur

Neben den Befestigungsanlagen aus dem späten 15. Jahrhundert besteht das heutige architektonische Ensemble des Moskauer Kremls aus 15 einzelstehenden Gebäuden, die entweder Teil der Residenz des russischen Präsidenten sind (Senatspalast, Verwaltungsgebäude, Großer Kremlpalast), der Kommandantur bzw. der Garnison des Kremls gehören (Arsenal, Lustpalast) oder aber Museumsstatus besitzen und daher für Touristen zugänglich sind (alle fünf Sakralbauten, Patriarchenpalast, Rüstkammer).

Mauer und Türme

Hauptartikel: Mauer und Türme des Moskauer Kremls

Das 27,5 Hektar große und etwa dreieckige Gelände des heutigen Moskauer Kremls, der in seiner Ausdehnung dem unter Großfürst Iwan III. Ende des 15. Jahrhunderts errichteten Kreml entspricht, wird von einer 2235 Meter langen, bis zu 19 Meter hohen und bis zu 6,5 Meter dicken Mauer aus rotem Backstein umgeben. Auf ihrem gesamten Verlauf wird diese Mauer von 19 an si

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Ma Hi
28. July 2016
Very beautiful architecture and great historic site! nice gardens,love to walk among the magnificent chathedrals!
Filmsquare
16. September 2014
We see the Kremlin in an establishing shot of Moscow in RED 2 (2013), where the team travel to find the Nightshade nuclear weapon created and hidden here by British inventor Bailey.
Ma Hi
28. July 2016
The kremlin and red square:One of the most beautiful places in the world!Very rich and interesting pieces!impressive and well maintained! Symbol of russia! Dont miss it!
Tasnime
24. January 2016
Must see, great walk around the beautiful churches even in freezing winter. The Ivan The Great Bell-Tower ensemble was closed this winter (Jan 2016) though.
Victor Chu
26. August 2017
Don't stand in the long queues for tickets. Use the automatic ticket machines inside. Both credit cards and cash are acceptable.
Sina Khanlou
21. April 2017
Russia's political heart, where significant decisions are made. It also has got some beautiful Orthodox churches inside which are definitely worth a visit!
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