Lutheran cathedrals in Hannover

Marktkirche (Hannover)

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7.3/10

Die evangelisch-lutherische Marktkirche St. Georgii et Jacobi ist die älteste der drei Pfarrkirchen in der Altstadt von Hannover. Der heute noch weitgehend unveränderte Kirchenbau im Stil der Backsteingotik stammt aus dem 14. Jahrhundert. Er ersetzt einen gleichnamigen Vorgängerbau aus dem zweiten Viertel des 12. Jahrhunderts. Mit ihrem 97 Meter hohen, markanten Turm gehört die Marktkirche zu den Wahrzeichen Hannovers. Das Gotteshaus wurde mit der 1536 erlassenen Kirchenordnung lutherisch und ist seit 1925 Predigtkirche des amtierenden Landesbischofs (2010: Hans-Hermann Jantzen ) und des Stadtsuperintendenten des Stadtkirchenverbandes Hannover

Geschichte

Erwähnt wird sie erstmals 1238 unter dem Namen St. Georgii, an ihrer Stelle stand bereits um 1150 ein romanischer Vorgängerbau, dessen Fundamente bei Ausgrabungen 1952 entdeckt wurden. Bereits 1340 wurden die ersten farbig verglasten Fenster fertiggestellt; von 1342 datiert die Bezeichnung als ecclesia Sanctorum Jacobi et Georgii. Jakobus, der im Mittelalter sehr populäre Schutzpatron der Pilger und Kaufleute (spanisch: Santiago), und der Heilige Georg, einer der 14 Nothelfer und bekannt als legendärer Drachentöter, sind die Namenspatrone der Kirche. Von 1344 ist ein Spendenaufruf an die Bürger zum Kirchenbau überliefert, 1347 begann man mit der Fundamentierung des Turms, 1349 wurde die Genehmigung zum Abriss des alten Kirchenbaus (um den herum man die neue Kirche errichtete) gegeben. Etwa 1360 gilt als Jahr der Kirchenweihe und im Jahre 1368 wurde schließlich wegen Not- und Pestzeiten und daraus resultierendem Geldmangel der Bau des Kirchturms unterbrochen. Ursprünglich steiler geplant, erhielt die Turmspitze nun einen Dachreiter in Form des verkleinerten Abbilds des Turmes selbst. Im Jahre 1852 wurde das Kircheninnere durch Ludwig Droste neu bemalt und ausgestattet, wobei der Duve-Altar (siehe unten) spurlos verschwand.

Bei zwei Bombenangriffen während des Zweiten Weltkriegs wurde die Kirche im Juli und Oktober 1943 bis auf die Außenmauern und die Säulen zerstört. Der überwiegende Teil des Dachstuhls blieb wider Erwarten erhalten. Dendrochronologische Untersuchungen an den Balken ergaben eine Fällung der dazu benutzten Bäume um 1387/88. Der Wiederaufbau erfolgte 1946–1952 durch den Architekten Dieter Oesterlen, wobei der Ziegelstein vollständig freigelegt wurde.

Auf dem Marktplatz, zwischen Marktkirche und Altem Rathaus, fand am 26. Juni 1533 das historische Ereignis statt, das man als Beginn der Reformation in Hannover bezeichnen kann: der Schwur der versammelten Bürgerschaft unter ihrem 'Worthalter' Dietrich Arnsborg. Diese Szene wurde von Ferdinand Hodler in seinem Wandgemälde Einmütigkeit (1913) im Hodler-Saal des Neuen Rathauses von Hannover festgehalten.

Zu den bedeutenden Geistlichen der Marktkirche gehören:

  • Georg Scharnikau (Scarabaeus) (1503–1558), seit 1532 erster evangelischer Pastor der Marktkirche
  • Hermann Wilhelm Bödeker (1799–1875), zweiter Pastor seit 1825, erster Pastor seit 1839

Seit etwa 1850 findet der Weihnachtsmarkt Hannover im historischen Altstadtkern rund um die Marktkirche statt. Wegen seines stimmungsvollen Ambientes in Straßenzügen mit Fachwerkhäusern gilt er mit seinen etwa 120 Ständen als touristische Attraktion. 2007 verzeichnete er rund 1,5 Millionen Besucher.

Maße, Material und Raumform

  • Länge der Kirche (einschließlich Turm): 61,50 m
  • Gesamtbreite: 26,60 m
  • Traufhöhe: 19 m
  • Höhe des Turms: 97,26 m (mit Wetterhahn genau 98 m)
  • An drei Giebeldreiecken des Turms sind Zeichen angebracht: an der Ostseite ein umgedrehtes Pentagramm (Drudenfuß), an der Nord- und Südseite je ein Hexagramm (Davidschild).
  • Das Material ist roter Backstein. Sockel, Gesimse, Westportal und Mauerecken des Turms bestehen aus Sandstein.
  • Raumform: Das 8 Meter breite Mittelschiff wird durch vier Paar runde Ziegelsteinpfeiler von den beiden je 5,40 Meter breiten Seitenschiffen getrennt. Im Osten sind drei Chöre an die Halle angebaut, der mittlere ist als Hauptchor etwas größer.

Ausstattung

  • Der Passionsaltar, entstanden um 1480, wurde 1663 nach Einbau des (von Johann Duve gestifteten) Barockaltars beseitigt und in die Aegidienkirche verbracht. Von dort wanderte er 1856 bei Renovierung der Aegidienkirche ins Welfenmuseum, blieb deshalb im Krieg (bis auf die äußeren Flügel) unzerstört und befindet sich seit 1952 wieder in der Marktkirche.
    • Bei geöffneten Flügeln ist in 21 aus Lindenholz geschnitzten Szenen die Leidensgeschichte Jesu zu betrachten.
    • Am unteren Rand befinden sich Medaillons der Prophetenköpfe, dabei fällt als „kulturhistorisches Kuriosum“ (U. Müller) der Erzvater Jakob mit Brille (Vierter von links) auf.
    • Die Rückseite zeigt Szenen aus dem Leben der beiden Kirchenpatrone Jacobus und Georgius, u. a. das Martyrium Georgs.
  • Im rechten (südlichen) Chor befindet sich eine Bronzetaufe (um 1500) aus der Aegdienkirche, im linken (nördlichen) Chor ein Messingtaufbecken.
  • Besonders schön sind die Farbverglasungen in den drei östlichen Fenstern des Hauptchors. Von den 30 Scheiben des mittleren Chorfensters stammen 20 mit Märtyrerszenen noch aus dem 14. Jahrhundert (um 1370).
  • Die alte Orgel wurde im zweiten Weltkrieg zerstört. Der Neubau der Orgel in den Jahren 1953/1954 mit 61 Registern in vier Manualen und einem Pedal wurde von den Firmen Emil Hammer Orgelbau/Rudolf von Beckerath ausgeführt. Sie wurde an der Rückwand des südlichen Seitenschiffs aufgehängt. Der Turmraum, den die alte Orgel einnahm, wurde mit ansteigendem Gestühl versehen. Der von Dieter Oesterlen entworfene Orgelprospekt ist steht unter Denkmalschutz.
  • Beim Wiederaufbau entstand im Tiefgeschoss der Bödekersaal, der Gemeindesaal, der nach Senior Hermann Wilhelm Bödeker, Marktkirchenpastor 1825–1875, benannt wurde. Hier sind auch die Kirchenfundamente zu sehen, die, wie man beim Wiederaufbau feststellte, mehr als drei Meter in die Tiefe reichen.

Glocken

Das Geläut der Marktkirche ist das größte in Niedersachsen und besteht aus elf Glocken. Die große Christus- und Friedensglocke selbst ist dazu die größte Glocke des Landes und erklingt nur an Festtagen und zu besonderen Anlässen. Der Große David, die Georgenglocke und die größere Viertelstundenglocke gehörten ursprünglich zur Kreuzkirche. Die ausführliche Läuteordnung teilt jeder Kirchenjahreszeit und den einzelnen Festtagen verschiedene Glockenkombinationen (Motive) zu. Ferner sind drei Uhrschlag-Glocken in der Turmlaterne vorhanden.

Nr.
 
Name
 
Gussjahr
 
Gießer, Gussort
 
Durchmesser
(mm)
Gewicht
(kg)
Nominal
(HT-1/16)
1 Christus- und Friedensglocke 1960 Friedrich Wilhelm Schilling, Heidelberg 2460 10360 e0 +2
2 Großer David 1650 Ludolph Siegfriedt, Hannover 1830 3800 a0 ±0
3 Marienglocke 1951 Friedrich Wilhelm Schilling, Heidelberg 1600 2462 h0 +2
4 Georgenglocke 1653 Ludolph Siegfriedt, Hannover 1470 1800 cis1 ±0
5 Vaterunserglocke 1951 Friedrich Wilhelm Schilling, Heidelberg 1370 1380 d1 +2
6 Morgenglocke 1959 Friedrich Wilhelm Schilling, Heidelberg 1180 1050 e1 +2
7 Jakobusglocke 1951 Friedrich Wilhelm Schilling, Heidelberg 1050 623 fis1 +2
8 Taufglocke 1951 Friedrich Wilhelm Schilling, Heidelberg 880 358 a1 +2
9 Ewigkeitsglocke 1959 Friedrich Wilhelm Schilling, Heidelberg 780 340 h1 +2
10 Liedglocke 1951 Friedrich Wilhelm Schilling, Heidelberg 700 237 cis2 +2
11 Thomasglocke 1733 Thomas Riedeweg, Hannover 660 140 dis2 +2
I Stundenglocke 1672 Ludolph Siegfriedt, Hannover 1140 680 d1 +6
II Große Viertelstundenglocke 1654 Ludolph Siegfriedt, Hannover 1030 644 e1 +6
III Kleine Viertelstundenglocke 1722 Thomas Riedeweg, Hannover 1080 515 f1 +6

Äußeres

  • Die Epitaphien und Grabplatten (innen und außen) stammen überwiegend aus dem 16./17. Jahrhundert. In der Marktkirche liegen, um nur zwei bekanntere Namen zu nennen, Antonius Corvinus († 1533), der Reformator Niedersachsens, und der auf dänischer Seite kämpfende Reitergeneral Hans Michael Elias von Obentraut, (gefallen 1625 bei Seelze). Letzterer war das historische Urbild des Deutschen Michels.
  • Das Bronzeportal des Westeingangs (des heutigen Haupteingangs) schuf 1959 Gerhard Marcks. Es zeigt unter dem Motto discordia et concordia (Zwietracht und Eintracht) unter dem zweistämmigen Lebensbaum menschliche Grundsituationen, wobei der Bildhauer auch nicht die unmittelbare Vergangenheit Deutschlands aussparte, wie man an den Szenen mit Galgen und Panzer, einem Naziredner, Leichenbergen und brennenden Häusern sieht. Über allem erscheint im oberen Feld der auferstehende Christus. Das Portal ist eine Stiftung der Stadt Hannover zum 600-jährigen Bestehen der Marktkirche.
  • Über dem Westportal sind auf den Ecken die Skulpturen der Namenspatrone der Marktkirche zu sehen: links der Heilige Georg, der Drachentöter, und rechts der Heilige Jakobus mit dem Pilgerstab, beides Schöpfungen des Braunschweiger Bildhauers Jürgen Weber (1992). Von den Skulpturen der beiden Heiligen, die früher dort standen, wurde Jakobus im Krieg zerstört, Georg im linken (nördlichen) Chor angebracht.
  • Außen am ehemaligen Südportal sind in der Höhe zwei Sonnenuhren zu sehen: rechts oben eine von 1555, links am Pfeiler die sogenannte Kanonialuhr mit Gebetszeitenangabe, die wahrscheinlich aus der Bauzeit der Kirche stammt. Damit dürfte diese Sonnenuhr die älteste Uhr Hannovers sein.
  • Die beiden Skulpturen an den Seiten des Kirchturms stammen von dem hannoverschen Bildhauer Carl Dopmeyer und stellen an der Nordseite Hermann Wilhelm Bödeker und an der Südseite Martin Luther dar.
  • Einige Schritte vom Westportal entfernt in Richtung der Kramerstraße sowie der Knochenhauerstraße gibt es ein Kreuz im Pflaster. Von diesem Standpunkt aus bietet sich der Vier-Kirchen-Blick auf die Türme der Marktkirche, der Aegidienkirche, der Kreuzkirche und der Neustädter Kirche. Diese Stelle galt schon vor 300 Jahren als eines der sieben Wahrzeichen der Stadt Hannover, die die wandernden Handwerksburschen kennen mussten.

Siehe auch

  • Liste der Sakralbauten in Hannover

Lithografie

  • Rudolf Wiegmann: Sechs Ansichten von Hannover im Album von Hannover, gez. u. lith. von R. Wiegmann, Roy. Fol., Schradersche Hof-Kunsthandlung, Hannover 1836 (Leipzig, Rud. Weigel). (Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt in Halle, Signatur AB 170055.) Das Album enthält unter anderen Bildmotiven ein Einzelblatt von der Marktkirche.

Literatur

  • Arnold Nöldeke: Die Kunstdenkmäler der Provinz Hannover. 1: Regierungsbezirk Hannover. Heft 2: Stadt Hannover. Teil 1: Denkmäler des "alten" Stadtgebietes Hannover. Hannover 1932, S. 76–114 (die Marktkirche vor der Zerstörung 1943).
  • Hans Otte: Von den Kirchstühlen der Marktkirche, in: Geschichten um Hannovers Kirchen. Studien, Bilder, Dokumente. [Hrsg.:] Hans Werner Dannowski und Waldemar R. Röhrbein. Hannover: Lutherhaus-Verlag 1983, S. 152–153. ISBN 3-87502-145-2.
  • Wulf Schadendorf: Die Marktkirche zu Hannover (Kleine Kunstführer für Niedersachsen, Heft 7). Göttingen 1954.
  • Georg Schnath: Das alte Haus. Erinnerungen an eine hannoversche Jugendzeit 1898-1916. Hannover: Hahn 1998. (Quellen und Darstellungen zur Geschichte Niedersachsens. 118) ISBN 3-7752-5828-0 (darin das letzte Kapitel: S. 176–186: Rund um die Marktkirche).
  • Der mittelalterliche Altar der Marktkirche. Bilder, Gedanken und Betrachtungen. Hrsg. im Auftrag des Kirchenvorstandes der Ev.-luth. Marktkirchengemeinde SS. Jacobi et Georgii aus Anlass der 750-Jahrfeier d. Marktkirchengemeinde. Autoren: Heinz Behrends (u.a.) Hannover: Marktkirchengemeinde 1988. (Erhältlich in der Marktkirche oder in der Buchhandlung an der Marktkirche).
  • Marktkirche in Hannover, in: Dieter Oesterlen: Bauten und Texte 1946-1991. Tübingen: Wasmuth 1992, S. 12–19. ISBN 3-8030-0153-6 (Der Architekt Dieter Oesterlen war verantwortlich für den Wiederaufbau der Marktkirche nach 1945).
  • Ulfrid Müller: Marktkirche Hannover. Die Marktkirche St. Georgii et Jacobi in Hannover. 6., neu bearb. Aufl. [1. Aufl. 1983.] München: Dt. Kunstverlag 2003. (Große Baudenkmäler. 351) (In der Marktkirche für 3,- Euro erhältlich).
  • Helmut Knocke, Hugo Thielen: Hannover. Kunst- und Kultur-Lexikon. Handbuch und Stadtführer. 3., rev. Aufl. Hannover: Schäfer 1995, S. 112–116. ISBN 3-88746-313-7.
  • Alexandra Druzynski von Boetticher: Die hannoversche Marktkirche und ihr Turm. Gütersloh: Verlag für Regionalgeschichte 2004. (Hannoversche Schriften zur Regional- und Lokalgeschichte. 18) ISBN 3-89534-558-X.
  • Wolfgang Puschmann: Marktkirche St. Georgii et Jacobi, in: Hannovers Kirchen. 140 Kirchen in Stadt und Umland. Hrsg. von Wolfgang Puschmann. Hermannsburg: Ludwig-Harms-Haus 2005, S. 12–15. ISBN 3-937301-35-6.
  • Martin-G. Kunze: Marktkirche - Aegidienkirche - Kreuzkirche - Nikolaikapelle. Merkmale mittelalterlicher hannoverscher Stadtgeschichte, in: Kirchen, Klöster, Kapellen in der Region Hannover. Sascha Aust (u.a.). Fotografien von Thomas Langreder. Hannover: Lutherisches Verlagshaus 2005, S. 13–22. ISBN 3-7859-0924-1.

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24. March 2017
I just walked by and luckily have a nice concert experience there.
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