Festung in Krzyżowniki

Fort VII in Posen

560 Leute sind hier gewesen
5.1/10

Das Fort VII in Posen (polnisch: Fort VII w Poznaniu; dort auch mit dem Zusatz „Vernichtungslager“ – Fort VII w Poznaniu [obóz zagłady]) wurde in der Zeit des Nationalsozialismus vom Sicherheitsdienst des Reichsführers-SS und später von der Geheimen Staatspolizei als Polizeigefängnis und Übergangslager geführt und kurzzeitig als Konzentrationslager Posen bezeichnet.

In einem Bunker des Forts VII wurden in der zweiten Oktoberhälfte oder sogar noch vor dem 9. Oktober des Jahres 1939 in einer „Probevergasung“ mehrere Psychiatriepatienten durch Kohlenstoffmonoxid ermordet. Heinrich Himmler ließ sich dort die Wirkungsweise dieser Vergasungsmethode am 12. oder 13. Dezember 1939 vorführen. Wenig später verwendeten die Tötungsanstalten der Aktion T4 dieses Gas ebenfalls.

Organisation des Lagers

Das Fort VII gehörte als „Fort Colomb“ zum preußischen Befestigungssystem des 19. Jahrhunderts, das die Stadt Posen umgab (Festung Posen). Es war durch einen tiefen Graben und hohen Festungswall abgesichert, der überdies mit Eisenzaun und Drahtverhau gekrönt wurde. Die Kasematten waren von einem großen Innenhof aus zugänglich.

Die Existenz des Lagers ist ab dem 10. Oktober 1939 zunächst unter der Bezeichnung „Sicherheitspolizei, Chef der Einsatzgruppe VI, Konzentrationslager Posen“ belegt. Als erster Leiter war für wenige Tage der SS-Untersturmführer Herbert Lange verantwortlich. Vierzehn Tage später wurde der besetzte „Militärbezirk Posen“ als Reichsgau Posen – ab Ende Januar 1940 Reichsgau Wartheland genannt – unter Zivilverwaltung gestellt. Reichsstatthalter war Arthur Greiser.

Als zweiter Leiter des Lagers amtierte vom 16. Oktober 1939 bis zum 15. Oktober 1941 SS-Hauptsturmführer Hans Weibrecht, der zum Kommandanten des „Konzentrationslagers Posen“ ernannt wurde und dieses auch nach dem Muster reichsdeutscher Konzentrationslager mit entsprechenden Lagervorschriften organisieren sollte. Allerdings war dieses Lager nie Teil des Lagersystems des Inspekteurs der Konzentrationslager oder des SS-Wirtschafts- und Verwaltungs-hauptamtes. Formal zeichnete Weibrecht als „Geheime Staatspolizei. Staatspolizeistelle Posen. Übergangslager – Fort VII“. Als weitere Kommandanten werden SS-Hauptsturmführer Kühndel und SS-Obersturmführer Hans Walter genannt.

Übergangslager

Im besetzten Warthegau wurden Polen schon für kleinste Vergehen in Haft genommen. Überproportional oft wurde die Todesstrafe ausgesprochen. Fort VII war hauptsächlich als Übergangs- oder Durchgangslager zu einem anderen Gefängnis oder einem Konzentrationslager gedacht. Anfangs kam es vereinzelt zu Entlassungen. Fort VII war auch Hinrichtungsstätte; Massenexekutionen jedoch – wie zum Beispiel die Erschießung von 70 polnischen Studenten am 7. November 1939 – wurden weitab des Lagers durchgeführt.

Es gibt nur unsichere Schätzungen zur Zahl der Hingerichteten und der unter widrigen Haftbedingungen im Lager Verstorbenen. Wahrscheinlich kamen 10.000 bis 15.000 Menschen im Fort VII um. Nur 479 Opfer sind namentlich bekannt.

Vernichtungsstätte

Vermutlich Mitte Oktober 1939 wurden im Fort VII an einer unbekannten Anzahl von Menschen in einer provisorischen Gaskammer, deren Eisentür zumindest anfangs keine Abdichtung hatte, erstmals „Probevergasungen“ durchgeführt.. Wahrscheinlich war dabei August Becker vom Kriminaltechnischen Institut der Sicherheitspolizei anwesend, der im Januar 1940 im Rahmen der Aktion T4 die Probevergasungen in der NS-Tötungsanstalt Brandenburg beaufsichtigte. Der Reichsführer-SS Heinrich Himmler, in dessen Gefolge sich wohl auch Paul Werner befand, wohnte als Beobachter am 12. oder 13. Dezember 1939 einer Vergasungsaktion bei.

Die Morde wurden mittels Kohlenstoffmonoxidgas (CO) ausgeführt, das aus Stahlflaschen eingeleitet wurde. Es ist nicht ausgeschlossen, dass bei einer „Probevergasung“ auch das Entwesungsmittel Zyklon B eingesetzt wurde.

Die Gaskammer in Fort VII wurde nur im November und Dezember 1939 verwendet. Man schätzt, dass im Fort VII in Posen bis zu 400 psychisch Kranke mit Kohlenstoffmonoxid vergast wurden, darunter 27 Patienten aus der Abteilung für Geisteskranke des Stadtkrankenhauses in Posen.

Weitere Patienten der Provinzial-Irren-Heilanstalt zu Treskau/Owińsk (polnisch: Zakład Psychiatryczny w Owińskach) wurden in einem ersten getarnten Gaswagen ermordet, wobei Kohlenstoffmonoxidgas aus Stahlflaschen verwendet wurde. Bis April 1940 wurden durch das Sonderkommando Herbert Lange mit Gaswagen und durch Massenerschießungen des SS-Wachsturmbanns Eimann mindestens 10.780 Patienten aus Pommern, Westpreußen und dem Warthegau umgebracht.

Deutungen

Die Ermordung von Anstaltspatienten im Fort VII in Posen wurde von Mitgliedern der Einsatzgruppe VI unter Erich Naumann durchgeführt; diese handelten völlig unabhängig vom Apparat der Aktion T4. Nach Darstellung von Volker Rieß ging die Initiative zur Ermordung von psychisch Erkrankten von den Chefs der Zivilverwaltung und den Gauleitern Franz Schwede-Coburg, Albert Forster und Arthur Greiser aus, die sich unmittelbar oder über Höhere SS- und Polizeiführer an Himmler wandten, der nach Genehmigung durch Adolf Hitler Personal zur Verfügung stellte. Ernst Klee weist nach, dass Robert Schulz, Chef der Gauselbstverwaltung und zugleich der Gesundheitsabteilung beim Reichsstatthalter Greiser, Vollmachten für Gaswagenmorde ausstellte.

Götz Aly betont den kausalen Zusammenhang zwischen der Ermordung von psychisch Kranken im Warthegau und der Eingliederung von Baltendeutschen, welche die „freigemachten“ Anstalten als Durchgangslager nutzten. Polnische Historiker weisen nach, dass die Anstalten als SS-Kasernen, für deutsche Kranke oder als Fürsorgeheime für Deutsche weitergenutzt wurden. Volker Rieß hält die Interpretation für überzogen, dass „letztlich alle Krankenmorde 1939/40 im besetzten Osten“ mit dem Platzbedarf für Umsiedler oder für SS-Ersatzeinheiten zu begründen seien. Neben rationalen Nützlichkeitserwägungen sei es um ideologisch begründete „rassenpolitische Flurbereinigung“ gegangen.

Literatur

  • Volker Rieß: Die Anfänge der Vernichtung ‚lebensunwerten Lebens‘ in den Reichsgauen Danzig-Westpreußen und Wartheland 1939/40. Frankfurt/M. 1995 (= Diss 1993), ISBN 3-631-47784-8.
  • Volker Rieß: Zentrale und dezentrale Radikalisierung. Die Tötungen ‚unwerten Lebens‘ in den annektierten west- und nordpolnischen Gebieten 1939–1941. In: Klaus-Michael Mallmann / Bogdan Musial (Hrsg.): Genesis des Genozids – Polen 1939–1941. Darmstadt 2004, ISBN 3-534-18096-8, S. 127–144.
  • Zdzislaw Jaroszewski (Hrsg.): Die Ermordung der Geisteskranken in Polen 1939–1945 / Zaglada chorych psychicznie w Polsce 1939–1945. (zweisprachig) Warschau 1993, ISBN 978-3-926200-94-5.

Weblinks

Шаблон:Commonscat

Einen Kommentar posten
Tipps & Hinweise
Anordnen nach:
Miasto Poznań
23. August 2013
W Forcie VII mieścił się pierwszy na ziemiach polskich obóz koncentracyjny. Mroczną historię tego miejsca można poznać w mieszczącym się tutaj Muzeum Martyrologii Wielkopolan.
Mehr Kommentare laden
foursquare.com
Lage
Karte
Anschrift

Arcta 17, 60-101 Poznań, Polen

Route berechnen
Referenzen

Fort VII auf Foursquare

Fort VII in Posen auf Facebook

Hotels in der Nähe

Alle Hotels Alles sehen
Ilonn Hotel

ab $115

Best Western Hotel Edison

ab $0

Hotel Gromada Pozna?

ab $42

Campanile Hotel Poznan

ab $65

Ibis Poznan Polnoc

ab $95

H31

ab $69

Sehenswürdigkeiten in der Nähe

Alles sehen Alles sehen
Zur Wunschliste hinzufügen
Ich war hier
Besuchte
Muzeum Broni Pancernej Centrum Szkolenia Wojsk Lądowych
Polen

Muzeum Broni Pancernej Centrum Szkolenia Wojsk Lądowych ist eine

Zur Wunschliste hinzufügen
Ich war hier
Besuchte
Residenzschloss Posen
Polen

Das Residenzschloss Posen, heute polnisch als Kaiserschloss (Zamek

Zur Wunschliste hinzufügen
Ich war hier
Besuchte
Nationalmuseum (Posen)
Polen

Das Nationalmuseum in Posen (pl. Muzeum Narodowe w Poznaniu) ist ein

Zur Wunschliste hinzufügen
Ich war hier
Besuchte
Posener Königsschloss
Polen

Das Posener Königsschloss (polnisch: Zamek Królewski w Poznaniu) ist e

Zur Wunschliste hinzufügen
Ich war hier
Besuchte
Działyński Palace
Polen

Działyński Palace (Polski: Pałac Działyńskich w Poznaniu) ist eine

Zur Wunschliste hinzufügen
Ich war hier
Besuchte
Festung Posen
Polen

Zur Wunschliste hinzufügen
Ich war hier
Besuchte
Nowe Zoo w Poznaniu
Polen

Nowe Zoo w Poznaniu ist eine Touristenattraktion, einer der Zoo in

Zur Wunschliste hinzufügen
Ich war hier
Besuchte
Dziewicza Góra, Greater Poland Voivodeship
Polen

Dziewicza Góra, Greater Poland Voivodeship (Polski: Dziewicza Góra (

Ähnliche Sehenswürdigkeiten

Alles sehen Alles sehen
Zur Wunschliste hinzufügen
Ich war hier
Besuchte
Fort Snelling
USA

Fort Snelling (auch bekannt als Fort St. Anthony oder Fort Saint

Zur Wunschliste hinzufügen
Ich war hier
Besuchte
Fort Stanwix
USA

Fort Stanwix ist ein Fort in der Ortsmitte der Stadt Rome im

Zur Wunschliste hinzufügen
Ich war hier
Besuchte
Fort Delaware State Park
USA

Fort Delaware State Park ist eine Touristenattraktion, einer der

Zur Wunschliste hinzufügen
Ich war hier
Besuchte
The Needles Battery
Vereinigtes Königreich

The Needles Battery ist eine Touristenattraktion, einer der Festung

Zur Wunschliste hinzufügen
Ich war hier
Besuchte
Fort at Number 4
USA

Fort at Number 4 ist eine Touristenattraktion, einer der Festung in

Alle ähnlichen Orten