Festung in Ossowetz

Festung Osowiec

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Die Festung Osowiec (polnisch Twierdza Osowiec, deutsch früher Festung Ossowitz) im Nordosten Polens wurde im 19. Jahrhundert errichtet zu einer Zeit, als dieser Teil Ostpolens eine Provinz des russischen Zarenreiches war. Ihr russischer Name war Крепость Осовец.

Lage und militärische Bedeutung

Auf Befehl des Zaren Alexander II. wurden am Ufer der Biebrza bei dem Dorf Osowiec über 1.000 Hektar Grund erworben und die Bewohner zwangsweise umgesiedelt. Die Festung Osowiec wurde dann von 1882 bis 1887 unter dem Zaren Alexander III. nach einem Entwurf aus dem Jahre 1873 errichtet. Ihre Aufgabe war der Schutz des Zarenreiches nach Westen.

Nach ihrer Fertigstellung bestand die Festung aus vier Forts, die durch Wälle und Gräben verbunden waren. Die Festungswerke wurden zunächst als Ziegel-Mauerwerk ausgeführt, das vierte Forts aber bereits aus Betonquadern errichtet. Es war das erste dieser Art im Zarenreich.

Sofort nach Fertigstellung wurde die Festung Osowiec bis zum Jahre 1892 weiter modernisiert. Nach dem Russisch-Japanischen Krieg von 1904 bis 1905 erfolgten weitere Maßnahmen zu ihrer Modernisierung und Verstärkung. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges war die Festung mit 69 Festungsgeschützen versehen und außerdem standen der Besatzung 24 mobile Feldgeschütze zur Verfügung.

Die Festung Osowiec lag 50 Kilometer von der früheren Grenze zu Ostpreußen entfernt an einem der wichtigsten Übergänge über den Fluss Biebrza. Sie war umgeben von den gleichnamigen Sümpfen. Durch die Festung lief die Eisenbahnlinie von Białystok über Ełk nach Königsberg und wurde an dieser Stelle vollkommen von ihr beherrscht. Ihre Lage zu beiden Seiten des Flusses umgeben von Sümpfen zeichnete die Festung aus, machte sie schwer erreichbar und kaum angreifbar. Bei der militärischen Führung Russlands galt sie als uneinnehmbar. Dennoch wurde sie im ersten Jahr des Weltkrieges mehrfach von starken deutschen Kräften angegriffen und dabei zunächst von den Angreifern, später von der eigenen Besatzung weitgehend zerstört.

Die Trümmer der Festung können heute teilweise besichtigt werden. Ein Museum ist eingerichtet. Ein kleiner Teil der Festung wurde bis in die letzte Zeit noch immer militärisch genutzt.

Die Festung Osowiec liegt heute auf dem Gebiet des Biebrzański-Nationalparks.

Kämpfe um die Festung im Ersten Weltkrieg

Belagerung im September 1914

Im September 1914, nach der Schlacht an den Masurischen Seen näherten sich Teile der deutschen 8. Armee der Festung Osowiec. Bis zum 21. September 1914 hatten die deutschen Truppen ihre russischen Gegner soweit zurückgedrängt, dass die Festung in Reichweite ihrer Artillerie kam. Ab dem 26. September 1914 kam auch schwere Artillerie mit einem Geschützkaliber von 210 mm zum Einsatz. 60 Geschütze richteten ihr Feuer auf die Festung. Nach zwei Tagen wagten die Deutschen einen Angriff ihrer Infanterie auf die Festung, der im Feuer der Verteidiger und ihrer Festungsgeschütze scheiterte. Am nächsten Tagen unternahmen die Russen einen Gegenangriff. In einer Zangenbewegung zwangen sie die Deutschen, ihre Geschütze zurückzunehmen.

Belagerung im Frühjahr 1915

Am 3. Februar 1915 näherten sich wieder deutsche Truppen der Festung. Diese Annäherung stand im Zusammenhang mit der allgemeinen Offensivbewegung der deutschen Armeen in Ostpreußen, die zur Winterschlacht in Masuren führte. Es kam zu heftigen Kämpfen mit einem ersten Verteidigungsring um das Fort, den die Russen angelegt hatten. Nach fünf Tagen, am 9. Februar 1915, zogen sich die Russen auf einen zweiten vorbereiteten Verteidigungsring zurück. Hier schützten sie ausgehobene Schützengräben und Maschinengewehrnester und hier konnten die Russen erfolgreich standhalten. Den Deutschen war es aber nun wegen der geringeren Distanz möglich, die Festung direkt zu beschießen. Sie brachten 68 Geschütze in Stellung. Den heftigsten Beschuss erlitt die Festung vom 14. bis 16. Februar 1915 und dann vom 25. Februar bis zum 5. März 1915. Auch die deutschen Luftstreitkräfte unterstützten die Belagerung und warfen über der Festung Bomben ab.

Die Festung Osowiec litt schwer unter dem Beschuss. Es brachen Brände aus und Bauwerke brachen zusammen. Schließlich war keine Verbindung zwischen den Forts mehr möglich. Da aber während dieser Zeit der russische Verteidigungsring um die Festung nicht durchbrochen werden konnte, gruben sich auch die deutschen Truppen ein und die Belagerung verharrte bis Juli in einem Stellungskampf.

Sturm auf die Festung im Sommer 1915

Hauptartikel: Deutsche Gastruppen im Ersten Weltkrieg

Anfang Juli 1915 brachten die Deutschen weitere Truppen heran. Am 6. August 1915 um 4 Uhr morgens begann bei günstigem Wind ein konzentrierter Gasangriff mit Chlorgas gegen die Festung. Die freigesetzte Gaswolke erreichte eine geschätzte Breite von 8 Kilometern. Noch in einer Entfernung von 12 Kilometern kamen Zivilisten durch das Gas zu Schaden. In kurzer Zeit war der größte Teil der Verteidiger, die alle keine Schutzmasken zu ihrer Verfügung hatten, auf qualvolle Weise zu Tode gekommen oder kampfunfähig geworden. Da die Gaswolke aber nur eine Höhe von 10 bis 15 Metern erreichte, blieben einige Männer abwehrbereit.

Zu einem Zeitpunkt, als die deutschen Angreifer keine Gegenwehr mehr erwarteten, begann mit starken Infanteriekräften der Sturm auf die Festung.

Was sich nun abspielte, wurde in der Folge von der alliierten Presse zur Legende überhöht und als "Kampf der toten Männer" (russisch Атака мертвецов) umschrieben: Den Deutschen warfen sich Männern in blutbesudelten Uniformen entgegen. Durch den Gasangriff in einen psychischen Ausnahmezustand versetzt, wehrten sich die letzten Verteidiger bar jeder Todesfurcht mit ihren Handfeuerwaffen, zwei Maschinengewehren und den letzten fünf einsatzbereiten Geschützen. Die blutigen Uniformen hatten ihre Ursache darin, dass die russischen Sodlaten wegen ihrer vom Chlorgas verätzten Bronchien unablässig Blut spuckten.

Die deutsche Seite brach daraufhin den Angriff ab. Einige Soldaten gerieten in Panik und flohen. Es waren jedoch nur 60 bis 70 Verteidiger, welche innerhalb der Festung überhaupt noch zu einer Gegenwehr in der Lage waren.

Aufgabe der Festung

Wenige Tage später begann eine allgemeine Rückzugsbewegung der russischen Truppen in Ostpolen. Dadurch verlor die Festung Osowiec ihre aktuelle Bedeutung. Am 18. August begann die Räumung der Festung. Man versuchte alles, was nicht mitgenommen werden konnte oder schon in Trümmern lag, zu sprengen. Am 22. August 1915 war die Festung verlassen und am 25. August 1915 besetzten die deutschen Truppen die leere und weitgehend zerstörte Festung.

Bedeutung im Zweiten Weltkrieg

Nach dem Ersten Weltkrieg wurden die Reste der Festung vom polnischen Militär übernommen. Die Festungskirche, die unzerstört geblieben war, wurde von einer orthodoxen in eine katholische Kirche umgeweiht.

Im Zweiten Weltkrieg spielte die Festung Osowiec keine Rolle. Während des Polenfeldzuges umgingen sie die deutschen Truppen. Am 13. September 1939 wurde sie für wenige Tage von deutschen Truppen besetzt, am 26. September 1939 aber an die Rote Armee übergeben. Nach Beginn des Deutsch-Sowjetischen Krieges übernahmen deutsche Truppen am 27. Juni 1941 wieder die Festung Osowiec.

Drei Jahre später näherte sich die sowjetische Front und die Deutschen zogen sich am 14. August 1944 auf das rechte, nördliche Ufer der Biebrza und die dort gelegenen Festungsbauwerke zurück. Im Januar 1945 räumten die letzten deutschen Truppen die Festung Osowiec.

Die Festungskirche überstand diese Zeit nicht. Sie wurde bereits 1939 zerstört.

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3.1 km von 19-110 Osowiec, Polen

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